Wege von Königsberg nach Ragnit
von Botho Eckert

Ursprünglich waren die Wasserwege über das Haff, die Memel und den Nemonienfluß die wichtigsten Verbindungen nach Ragnit. Obwohl die in der Wildnis lebenden Menschen ihre Pfade kannten, entwickelten sich die Landwege durch den Grauden erst ab 1354. Ordensritter und Abenteurer bahnten unter Mithilfe der Leitsleute (Wegführer) immer wieder neue Wege durch den Grauden. So entstanden die folgenden Wege zwischen Pregel und Memel:

1. Der älteste Weg ab 1354 führte von Insterburg über Kraupischken nach Ragnit. Ab etwa 1630 verlor Ragnit an Bedeutung, so daß der Weg nun nach Tilsit führte. Dies ist auch der älteste Postweg von Königsberg nach Ragnit.

2. Die Königsberger Landstraße führte etwa ab 1630 von Labiau über Skaisgirren, Schillupischken, Taurothenen, Raukothienen bzw. von Schillupischken über Brettschneidern und Raukothienen nach Tilsit, Ragnit und Memel. Dieser Weg diente etwa ab 1700 auch als Postweg, zunächst für reitende Post und später für fahrende Post. Pferde und Kutscher mußten von den Bauern gestellt werden, so etwa in Schillupischken und Taurothenen.

3. Der 43. Ordensweg führte nach der Beschreibung von Labiau über Mehlauken, Parwischken, Grudszen, Lieparten, Taurothenen und über die Tilse nach Ragnit.

4. Die Skaisgirrer Landstraße, die spätere Reichsstraße 138, führte mit dem Ausbau ab 1886 von Wehlau über Skaisgirren, Schillkojen, Sandlauken nach Tilsit und Ragnit. Ein erster Weg, vermutlich ab 1639, verlief über Heinrichswalde nach Tilsit. Nach dem Ausbau entwickelte sich dieser Weg zur Hauptstraße. Ab wann er auch zur Poststraße wurde, ist nicht bekannt. Um 1837 gab es in Kellmienen bereits eine Post- und Umspannstation.

5. Ab 1630 entstand eine weitere Verbindung von Insterburg über Seßlacken und Schillen nach Tilsit.

6. Um 1400 gab es einen Winterweg von Labiau am Haff und am Nemonienfluß entlang zur Memel bei Kalwen und weiter nach Tilsit und Ragnit, - vermutlich im Verlauf des 10. Ordensweges von 1393 –

Bis um 1800 waren die meisten Wege bei Tau- und Regenwetter nicht befahrbar.

Obwohl Ragnit als Ordenssitz - die ursprüngliche Heidenburg Ragnit entstand 1277 - der älteste Ort an der Memel war, erlangte Tilsit mit Verleihung des Stadtrechtes ab 1552 (1370 stand hier noch eine verwüstete Schalauerburg) eine größere Bedeutung. In Tilsit konnte man die Memel leichter überqueren, so daß hier die Haupthandelsstraße zum Norden entstand. Mit dem Brückenbau (bei den ersten Brücken handelte es sich um schwimmende Holzbauten) entwickelte sich Tilsit zum Hauptverkehrspunkt nach Riga und Petersburg.

Autor: © 2007 Botho Eckert, Bad Salzuflen
Quelle: Heimatrundbrief "Land an der Memel" Nr. 81/2007

Vorwort



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 04.01.2008
www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Dienstag, 28. Dezember 2010