Kirchspiel Königskirch
Erste Siedlungen an der Memel
von Botho Eckert

In den kriegerischen Auseinandersetzungen bis 1422 war die Siedlungstätigkeit gering. Aufzeichnungen gab es erst ab 1504, obwohl danach das Siedlungsaufkommen ebenfalls gering war. Eine wesentliche Änderung trat erst ab 1590 ein.

Viele unter starkem Druck ihrer Obrigkeit lebenden Schamaiten verließen ihr Land, um im Ordens- bzw. späteren Herzogsland freier leben zu können. In Scharen kamen die so genannten "Läuflinge" und kauften Land, das sie teilweise mit Ochsen bezahlten. Die ersten Ansiedlungen entstanden bei Ragnit und drangen von hier aus allmählich in die Wildnis vor. Den Höhepunkt bildeten die Schatullsiedlungen in der Wildnis ab 1640.

In einem noch erhaltenen Hausbuch aus Ragnit (Ordensfoliant 124) aus dem Jahre 1504 wird über die damaligen ersten Ansiedlungen berichtet.

Ein Nachweis über deutsche Siedler findet sich darin nicht. Es handelte sich hauptsächlich um Prussen und Litauer. Erste Ansiedlungen entstanden in Nähe der Burgen und Flüsse. Doch langsam drang man auch in die Wildnis vor. Aus dem Bereich des späteren Kirchspiels Jurgaitschen (Königskirch) sind keine Aufzeichnungen dokumentiert. Einen Eindruck vermitteln die damaligen Ermittlungs- und Berechnungsgrundlagen. Die Anzahl und Größe der Siedlungen wurde nach alten prussischen Maßen erfasst. Die Werteinheit wurde in Ochsen berechnet. Man nimmt an, dass die Erstbesiedlung vor 1504 ca. 500 Ochsen betrug.

Man rechnete:

Der kleinste Landwert bestand: aus 2 Ochsen, was mit einer Person (ein Brot) gleichzusetzen war.
Es war also der Siedler/Wirth mit seiner Familie
Zins war eine Wirtschafts- bzw. Familiengemeinschaft.

Er bestand im allgemeinen aus 6 Ochsen, was mit 3 Personen bzw. Wirthe mit Familien gleichzusetzen war.

Brot, so nannte man die Familienmitglieder.
Zu einem Zins rechnete man 3¼ Brote, d. h. 3¼ Personen
Bender, so nannte man Fremde, die zu einem Zins gehörten.

Allgemein bestand ein Dorf aus 2 bis 3 Zinsen, d. h. es lebten im Dorf ca. 6 bis 9 Wirthe mit ihren Familien (Brote).
Diese erste ländliche Verfassung wurde später durch das Kulmer Recht ersetzt.

Vor 1504 gab es an der Memel ca. 35 Siedlungen mit rund 85 Zinsen im Wert von 500 Ochsen. Bis 1540 betrug der Landwert rund 2.200 Ochsen, d. h. es gab im Amtsbereich Ragnit etwa 150 Dörfer mit ca. 360 Zinsen und rund 1.050 Wirthen.


Die ersten Siedlungen im Kirchspielbereich

1540 fand eine erste Steuererhebung statt, als Nachtgeldverzeichnis oder Türkensteuerregister bezeichnet. Im Verzeichnis des Amtes Tilsit sind auch die ersten Ansiedlungen im Kirchspielbereich enthalten. Bei einigen Siedlern wird deutlich, dass es schon eine oder mehrere Generationen vor ihnen gab. Somit ist der Siedlungsbeginn um 1.500 als richtig anzusehen. Von der Memel drangen die Siedler entlang des 43. Ordensweges in die Wildnis und in den späteren Kirchspielbereich vor. Der erstgenannte Ort war Tauratheen – Taurothenen. Die weiteren Ansiedlungen lagen an der Arga – Arge. Ortschaften waren vermutlich noch nicht entstanden. Vermutlich handelte es sich um Kaukwethen, Klipszen-Rödszen, Argeningken-Graudszen und Oskinnen; eventuell existierte damals auch nur einer dieser Orte.

In Taurotheen – Taurothenen – Tauern hatten sich angesiedelt:
  • der Schulze Paul (Pewell) mit seinem Schwager Hans und den Brüdern Anders und Georg
  • der Siedler Paul mit seinem Sohn und seinem Bruder Plosiut
  • der Siedler Schudeit mit seinem Bruder Stanis
  • der Siedler Crauleid mit Scheppat, einem Fremden und seinem Bruder Merkail
  • der Siedler Gutschies
  • der Siedler Budeweta mit Stanis, einem Fremden
  • der Siedler Cackschies mit seinem Schwager Jan
  • der Neusiedler Paul mit seinem Bruder

Somit lebten im Ort 30 Personen, davon 8 Wirthe, 9 Familienmitglieder, 11 Frauen und 2 Bender (Fremde).
Unter den Siedlern waren 3 Deutsche, 4 Litauer und 1 Prusse.

An der Arge gab es
  • den Siedler Staschis; er war der erste Erbe mit seinen 4 Brüdern Jonas, Peter, Mathais und dem fünften Bruder
  • den Siedler Plischis mit seinem Sohn
  • den Siedler Merlus, ein Neusiedler mit seinem Schwager Srin und den Brüdern Petkis und Matzk

Somit lebten an der Arge 21 Personen, davon 5 Wirthe, 10 Familienmitglieder und 6 Frauen. Unter den Siedlern waren 2 Deutsche, 2 Lithauer und 1 Prusse.
Über die Anzahl der Kinder sind keine Angaben möglich.

Autor: © 2009 Botho Eckert
Quelle: Der Beitrag wurde vom Autor zur Verfügung gestellt.

Königskirch



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am
10.07.2009
www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Samstag, 25. Dezember 2010