Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein :
Bernhard Moderegger
Pastor i.R.
geb. 5.November 1914 in Königsberg/Ostpreußen
verst. 16.Februar 2005 in Göttingen

Bernhard Moderegger wurde am 5. November 1914 als ältester von fünf Brüdern in Königsberg als Pastorensohn geboren. Der Bruder des Vaters Dr. Dr. Richard Moderegger, 50 Jahre Gemeindepastor des Kirchspiels Breitenstein, band den Neffen schon früh in seine besonders geprägte Seelsorge ein. Schon mit zwanzig Jahren springt der angehende Pastor spontan für den erkrankten Onkel ein und hält seine Predigt zu Pfingsten. Der Großvater war in Girrehnen/ Güldengrund Lehrer, so sind drei von den Salzburgern stammende Generationen auf das engste mit dem Kirchspiel verbunden. Oft zog es in den Kinderjahren die fünf Brüder in die ländliche Idylle in den großen Pfarrgarten zum kinderlosen Onkel. Das Theologiestudium absolvierte Bernhard Moderegger ausschließlich bis zum Abschluß an der Albertina in Königsberg.

1937 etwa begann bis zum Ende des Krieges die Soldatenzeit, die 1945 mit der Gefangenschaft in den Erdlöchern am Rhein und nach einem Jahr unter den Engländern in Flandern endete. Es folgte ein Jahr Vikarzeit im südlichen Niedersachsen, die in eine Pastorenstelle überging. Er fand seine Frau, Dr. Agnes Tappe, drei Kinder wurden geboren. 1957 zog die Familie nach Göttingen und wirkte zunächst in der Jacobi-Kirche, und es folgte die Neugründung der Kirchengemeinde Corwinus in einem neuen Viertel der Stadt, wahrlich eine Herausforderung. Nach über fünfzigjähriger Ehe verlor er letztes Jahr seine Frau. Seit 2003 lebt Pastor Moderegger im Feierabendhaus in 37076 Göttingen, Merklestraße 2, immer noch aktiv für seine Umgebung.

Von 1977 bis 1989 setzte Bernhard Moderegger die Tradition des sehr persönlichen Gemeindebriefes (jedesmal eine Sonderbeilage im "Land an der Memel") nach dem Tode des Onkels für die Breitensteiner fort. Dank seiner künstlerischen Begabung zierte fast jede Ausgabe eine Federzeichnung von ihm mit Motiven von Kraupischken. Schon Weihnachten 1945 war die erste so anrührende Ausgabe, auf einer alten Schreibmaschine geschriebene und auf Kriegspapier gedruckte neue gemeinsame Verbindung erschienen. Ab 1989 erreichte nun alle Leser das Geistliche Wort, aus Kostengründen war der zusätzliche Gemeindebrief eingestellt worden. Damit vergrößerte sich die Zahl der Leser erheblich, und auch in diesem Weihnachtsheft werden wir die vertrauten Gedanken zu Gottes Wort als Geschenk dankbar aufnehmen.

Unvergessen sind die zahlreichen Andachten auf den Treffen der Breitensteiner. 1986 bei meinem ersten Einsatz für die Kraupischker nahm er uns sozusagen alle an die Hand und spazierte mit uns von Garten zu Garten durch das heimatliche Dorf. Mit feuchten Augen folgten wir der bildhaften Wanderung, plötzlich waren wir fast richtig zu Hause. Diese besondere Heimatverbundenheit ist aus seinen Predigten nicht wegzudenken. Zuletzt hörten wir seine mit ostpreußischem Timbre gefärbte sonore Stimme im September 1999 in Lütjenburg zu unserer Feierstunde leider nur vom Band. Es war zu beschwerlich für den alten Herrn geworden zu reisen. Unvergessen bleibt seine fürsorgliche Art, auf seine Mitmenschen zuzugehen, Anteil zu nehmen an deren Freud und Leid. Wir sind ihm zu großem Dank verpflichtet.

Nur wenige Monate nach seinem 90sten Geburtstag wurde Pastor Bernhard Moderegger in die ewige Heimat abgerufen. Die Breitensteiner/Kraupischker, die Leser von "Land an der Memel", die Kreisgemeinschaft verlieren einen von ganzem Herzen mit der Heimat verbundenen Seelsorger. Viele Jahre war seine Predigt für die Breitensteiner in einem Beiblatt auf dem Titel mit einer Federzeichnung mit einem Motiv Kraupischkens die enge Verbindung zu unserer so weit verstreuten Gemeinde.

Sein letztes Dankschreiben erreichte uns mit dem Datum 9. Februar 2005. Pastor Moderegger bedankt sich für die Würdigung anläßlich seines Geburtstages durch die Kreisgemeinschaft bei Helmut Pohlmann und schreibt: "Dem Schriftleiter Manfred Malien schulde ich besonderen Dank für die Gestaltung des Heimatrundbriefes L.a.d.M.. Ich bin immer erstaunt, wie sorgfältig er redegiert ist. Die Lektüre ist auch für mich stets ein großer Gewinn."

Ahnungsvoll schließt dieser Dank: "Wir wollen uns trösten mit dem Wort des Apostel Paulus: "Gleichwie in Adam alle sterben, werden wir in Christus lebendig gemacht werden." Mit dieser Gewißheit auf das Leben nach dem Tode konnte er friedlich einschlafen.

Von ganzem Herzen danke ich für die vielen Andachten gerade für unsere Kraupischker auf unseren Treffen. Danke für seinen Segen.

Katharina Willemer
Kirchspielvertreterin Breitenstein/Kraupischken

Quelle: Heimatrundbrief "Land an der Memel" Nr. 75/2004 und 76/2005

Kirche Breitenstein



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 10.01.2005
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letzte Änderung dieser Seite : Dienstag, 1. Februar 2011