Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein :
Gut Weedern

Weedern, 180 ha groß, gehörte zur Gemeinde Grüntal. In früheren. Jahren war es ein Vorwerk vom Gut Raudonatschen, das im Jahre 1891 an den Landwirt Johannes Steinkat aus Neu Lubönen abverkauft war. Das Land war im Gegensatz zu Raudonatschen, das fast ausschließlich milden, durchlässigen Boden hatte, durchweg mehr lehmiger Natur. Infolge dauernder Nässe waren die Erträge nicht ausreichend und unsicher. Die Wirtschaftsgebäude waren der damaligen Zeit entsprechend in reparaturbedürftigem Zustand. Die Ställe und Wohnunterkünfte waren aus Feldsteinen vom Acker,in Lehm aufgemauert - äußerlich mit Kalk und Grand und Ziegelbrocken verfugt. Das Wohnhaus war klein und unsachgemäß aufgeteilt. Als ehemaliger Vorwerksbetrieb hatte man hier in den Ställen meist Jungvieh vom Hauptgut untergebracht. Auch die Mutterschweinehaltung und Ferkelaufzucht für das Hauptgut wurde hier betrieben, Maschinen und Ackergeräte waren unvollkommen und ebenfalls die Wasserversorgung von Mensch und Tier. Steinkat konnte mit den Verhältnissen nicht fertig werden und wirtschaftete aus. Bei der Versteigerung 1898 erwarb Weedern der Landwirt Ewald Schön aus Gaistauden, welches zum Budwether Kirchspiel gehörte.

Dieser entwässerte aus eigenen Mitteln 80% der Landfläche durch eine systematische Dränage und schuf damit die Voraussetzung für sichere, ertragreiche Ernten aller Feldfrüchte und damit die Rentabilität des Betriebes. Er baute einen freistehenden, massiven, unterkellerten Speicher und einen Rübenkeller an den Viehstall an. Krankheit zwang Schön, den Hof 1913 zu verkaufen.

Der Käufer, Landwirt Robert Müllauer, hat dann in Weedern 6 1/2 Jahre, ohne Verbesserungen zu treffen, das Gut weiter bewirtschaftet.

Die Landwirte Gilbert Besemer und Bruno Damm erwarben am 20.4.1920 das Gut zu gleichen Teilen. Kauf und Verkauf waren zu dieser Zeit der beginnenden Geldentwertung ein gewagtes Unternehmen. 1939 verstarb Gilbert Besemer, und sein Besitzanteil ging auf seine Tochter, Frau Hedwig Damm, geb. Besemer, über. Das Gut war bis zur Vertreibung in derselben Hand und sollte weiter Familienbesitz bleiben. Alles erwirtschaftete Geld wurde in den ganzen Jahren in den Betrieb hineingesteckt und auf diese Weise die Rentabilität fortlaufend gehoben und gesichert, Bei der Übernahme 1920 waren z.B. 28 Milchkühe und 45 Stück Jungvieh vorhanden, im Jahre 1944 standen 55 Milchkühe und 75 Stück Jungvieh in den Ställen. Die Betriebsführer Besemer und Damm waren der Herdbuchgesellschaft Insterburg angeschlossen, und es kamen 2-3 Jungbullen und 5-6 tragende Rinder jährlich zur Auktion. Damm stellte auch einige Remonten der Ankaufskommission vor. Fur die 8 Deputantenfamilien wurden 2 Wohnhäuser mit je 4 Wohnungen und einem Stall für die Viehhaltung neu erbaut. Desgleichen eine Feldscheune für ca. 200 Fuhren Getreide mit 3 geschlossenen Dielen für die Unterbringung von Maschinen. Das Gutshaus ist durchgebaut und aufgestockt worden und mit Kanalisation und Zentralheizung versehen worden. Die Wasserversorgung wurde neu geregelt und alle damals neuzeitlichen, landwirtschaftlichen Maschinen für das Gut angeschafft.

Der Kreistag beschloß am 8.1.1941, den 1.700 m langen öffentlichen Landweg vom Gutshaus Weedern zur Chaussee Kauschen-Grüntal als Kiesstraße auszubauen. Durch die fortschreitende unsichere Kriegslage ist es zum Bau der Kiesstraße nicht mehr gekommen.

Im Jahre 1928 wurden zur Grenzbegradigung vom Raudonatscher Terrain 12 Morgen zugekauft und sofort durch Dränage trockengelegt. 1937 konnten die letzten 80 Morgen durch Anschluß an die Dränagegenossenschaft Mühlpfordt (Soutkehmen) entwässert werden. Aus einem minderwertig bewirtschafteten Vorwerksbetrieb haben die letzten beiden Besitzer einen geordneten und ertragreichen Gutsbetrieb gemacht. Sie waren wirkliche praktische Landwirte, die es nur schaffen konnten, aus dem Gut das zu machen, was es bei der Vertreibung war.


Herr Damm, einer der Besitzer von Weedern, bittet darum, bei Erwähnung des Gutes in dieser Schrift, auch seine Mitarbeiter zu nennen. Er schreibt:
"Ohne ihren verständnisvollen Einsatz und ihre ständige Bereitschaft wäre der Aufbau und der wirtschaftliche Aufstieg nicht möglich gewesen. Der Hof war ihnen Heimat.

Durch Zugehörigkeit über ein, teilweise über 2 Jahrzehnte waren sie mit ihm verwachsen, was noch heute in Briefen zum Ausdruck kommt. Es sind dies die Melkermeisterfamilie Fritz Schmidtke, dann die Deputantenfamilien August Schimkat, Franz Hörn, Johann Lenkeit, Kasimir Baronas und Fritz Müller. Ihre Kinder sind meist aufgestiegen in Meister-und mittlere Positionen. Vielleicht lesen sie einmal nach, wo und wie ihre Vorfahren gelebt und gearbeitet haben. Die Vertreibung hat uns alle betroffen, und die Chronik wird für alle geschrieben."

Quelle : Matthias Hofer und Christa Palfner : "Das Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein im Kreis Tilsit-Ragnit"; herausgegeben im Selbstverlag der Stadt Lütjenburg © 1971

letzte Statistik (Stand : 1.08.1944) - Einwohner Stand :17.05.1939)
  • Grüntal ( Einw. : 255 Fläche : 497 ha )
    • alter Namen :Pautkandszen
    • nach 1945 : Solnecnoje

      • Gut Weedern

Anmerkung:
1) zugehörig zu ev. Ksp. Breitenstein
2) ob das Gut noch besteht, ist unbekannt

Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
  • Karte des Deutschen Reiches 1:100 000 - Ausgabe Kreiskarten/Kreis Tilsit-Ragnit aus dem Jahre 1940 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
  • Karte des Deutschen Reiches - Topographische Karte 1:25 000 - Nr. 1199 (Rautenberg) -
    aus dem Jahre 1938 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de


Weitere Beiträge:
Grüntal - Weedern, Krs. Tilsit-Ragnit von Bruno Damm


Kirchspieldörfer



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 03.12.2004
www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Sonntag, 13. Februar 2011