Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein :
Warnen

Das Dorf Warnen lag südlich von Breitenstein, unweit vom Zusammenfluß von Eymenis und Inster.
Die Namen der 13 Besitzer und ihre Hofgroße sind folgende:
Gettkandt, Otto .................7,11 ha
Fitting, Hans .....................8,00 ha
Sellnat, Alfred .................79,10 ha
Gruber, Franz ...................8,00 ha
Kummutat, Maria .............0,50 ha
Hasenbein, Franz ............5,00 ha
Liegat, Franz ....................8,47 ha
Kaukereit, Wilhelm ..........8,00 ha
Liegat, Gottlieb ..............21,25 ha
Link, Ewald ......................6,10 ha
Sellnat, Frieda ..............133,64 ha
Schmidtke, Hermann .....10,00 ha
Springer, Gertrud .............4,50 ha

Die Eymenis, der kleine Nebenfluß der Inster, konnte im Sommer auf Steinen überquert werden. Zur Zeit des Hochwassers und Eisganges standen die tiefer gelegenen Grundstücke oftmals bis zum Hof unter Wasser. Es soll sogar vorgekommen sein, daß Kleintiere, so z.B. Schafe, auf den Heuboden geschafft werden mußten und daß man beim "Herunterholen" mehr Tiere vorfand, da sie gelammt hatten.
Über das Flüßchen führte eine Brücke, die bei einem furchtbaren Eisgang mitgerissen wurde und das Dorf dadurch in zwei Teile teilte. Aus diesem Grunde gab es in Warnen auch zwei Friedhöfe. Schwester Erna Karweck, der das kleine mit Efeu umrankte Haus gehörte, das sie von ihrer Tante Kretzer übernommen hatte, weiß sich noch heute als über Achtzigjährige zu erinnern, daß um 1890 etwa eine hohe Brücke über das Flüßchen errichtet wurde, die dem Eisgang standhalten konnte. Der von den Breitensteinern gern benutzte Wiesenweg führte direkt auf das kleine Häuschen von Schwester Erna.

Bild unten: Gutshaus Sellnat

Die Höfe der Warner Bauern waren viele Jahre in der gleichen Familie. So waren auch die Höfe der beiden Sellnats über 300 Jahre in einer Hand. Aus einer Geburtsurkunde von Albert Sellnat, Warnen, von 1883 war ersichtlich, daß die Gastwirtschaft im Besitz des Vaters von Albert Sellnat war. Sie soll im Sellnatschen Haus bis 1912 gewesen sein.

Zu damaliger Zeit war das Standesamt in Kerstupoenen und später erst in Breitenstein. In Warnen hat, einer alten Niederschrift zufolge, eine Wassermühle gestanden, die etwa 1850 abgebrochen wurde. An dieser Stelle wurde dann die erste Brücke erbaut. Haupterwerbszweig der Warner Bauern war die Landwirtschaft, wobei die beiden großen Betriebe Sellnat eine vorbildliche Vieh- und Pferdezucht aufwiesen und beste Ernten erzielten.

Gewerbliche oder handwerkliche Betriebe waren: Gruber, Tischler, Glaser und Klumpenmacher. Hasenbein war Schuhmacher. Franz Liegat und der Vater von Hans Fitting (Vorname unbekannt) waren Viehhändler, und Balszuweit flocht Körbe, nachdem er nicht mehr als Melker tätig war.

Die Gastwirtschaft gehörte bis zur Vertreibung Springer. Schulbezirk für Warnen war Steinflur. Als Bürgermeister des Dorfes sind Gottlieb Liegat und Franz Hasenbein bekannt. Einige Bauern bezogen seit 1921 von der Mühle Metschulat, Breitenstein, elektrisches Licht. Später schlössen sich alle dem Überlandwerk an. Der ehemalige Landweg vom Dorf zur Kreuzchaussee wurde in Gemeinschaftsarbeit in Ordnung gehalten, und im Jahre 1936 bekam die Gemeinde eine Kiesstraße.
Verladebahnhöfe für den Ort waren Kraupischken, Schulen und Weusiedel.

1557/58
wird Warnen (Warneitze - Warneitz - Warnalauken) zum ersten Mal genannt
mit 1 Zinser.

1564/65
kommt 1 Neuzins hinzu.

1822:
Nach Prästationstabellen - Eigentümer - Erbkrüger:
Joseph Schlick
(früher Christian Burek) 1 Hufe13 Morgen.147 Ruthen
Müller (Erbkrüger)
Carl Meyhoeffer
Freigewordene Immediat-Einsassen:
Carl Bonn
Erdmann Kummetat .........................0 Hufen 21 Morgen 163 Ruthen
Johann Sellonat
(früher Christoph Endrigkeit) ..........1 Hufen 13 Morgen 147 Ruthen
.....dann Christoph Preuß
Pritzkus Preugschat ........................2 Hufen 27 Morgen 113 Ruthen
Mertin Guddatis ...............................1 Hufen 13 Morgen 147 Ruthen
Erdmann Szameitat ........................1 Hufen 13 Morgen 117Ruthen

Erdmann Kleinschmantatis ............1 Hufen 13 Morgen 117 Ruthen
Martin Nagatis .................................1 Hufen 13 Morgen 117 Ruthen
Willus Bannatis ................................1 Hufen 13 Morgen 117 Ruthen
Christoph Guddatis ) .......................1 Hufen 13 Morgen 116 Ruthen
Ensies Zerruns........)

Eigenkätner:
Erdmann Szameitat Witwe ................................................30 Ruthen
Berhard Schumann ...........................................................146 Ruthen

1839:
Bauerndorf und Windmühle, Sprache litauisch und deutsch, 18 Feuerstellen, 126 evangelische Einwohner.

1863:
Schatull-freies Dorf.
Grundfläche: 1145 Morgen 63 Ruthen
Viehstand: 26 Pferde, 78 Rinder 80 Schafe, 62 Schweine.
Gebäude: 46 Bewohner: 223
Steuern:
Grundsteuer :
Kreisabgabe.:
Gemeindeabgaben:
Schulabgaben




59 Thaler 22 Silbergroschen
33 Thaler 8 Silbergroschen 2 Pfennige
43 Thaler 13 Silbergroschen 1 Pfennig
4 Scheffel 71/2 Metzen Roggen
2 Scheffel 3 3/4 Metzen Gerste.
9 Zentner 20 Pfund Heu 1 Schck. Stroh
für die Schule Kraupischken

1864/69
235 Einwohner, 836,83 Morgen Ackerland (haupts. Klasse 3+4), 186 Morgen Wiesen,
47 Morgen Weiden, Gesamt:. 1156 Morgen
19 Wohnungen, 3 gewerbliche Gebäude, 32 steuerfreie Gebäude.

1871:
20 Wohngebäude, 65 Haushaltungen, 263 Einwohner, (1867 = 277 Einwohner), 263 Preußen, 257 Evangelische, 1 Katholik, 5 Juden, 17 Analphabeten.

1905/07
Gesamtfläche 295 ha, 23 Wohnhäuser, 4 bew. Baulichkeiten, 45 Haushalte., 186 Pers., 184 evangelisch, 175 deutschsprachig, 6 litauisch, 3 deutsch und eine andere Sprache, 2 Juden

1929:
Gut Warnen, Inhaber G. Sellnat. Gesamtfläche 128 ha, 59 ha Acker, 25 ha Wiese, 40 ha Weide, 4 ha Forst- und Wassergebiet, 26 Pferde, 85 Rinder, davon 30 Milchkühe, 20 Schweine, 8 Schafe, Herdbuchvieh.
1931
Gesamtflächeninhalt 308,9 ha, 22 Wohnhäuser, 47 Haushaltungen, 182 Personen, alle evangelisch.

1939:
42 Haushalte, 164 Pers., 90 in Land- und Porstwirtschaft, 38 in Industrie und Handwerk, 1 in Handel und Verkehr, 25 Selbständige, 24 mithelfende Angehörige, 3 Beamte und Angestellte, 77 Arbeiter.
4 Betriebe von 0,5-5 ha, 6 von 5-10 ha, 1 von 10-20ha, 2 von 20-100 ha und 1 von 100 ha und mehr.

Quelle : Matthias Hofer und Christa Palfner : "Das Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein im Kreis Tilsit-Ragnit"; herausgegeben im Selbstverlag der Stadt Lütjenburg © 1971

letzte Statistik (Stand : 1.08.1944) - Einwohner Stand :17.05.1939)
  • Warnen (Einw.: 164 ; Fläche: 309 ha )
    • nach 1945 : Smelevo
Anmerkung : zugehörig zu ev. Ksp. Breitenstein

Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
  • Karte des Deutschen Reiches 1:100 000 - Ausgabe Kreiskarten/Kreis Tilsit-Ragnit aus dem Jahre 1940 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
  • Karte des Deutschen Reiches - Topographische Karte 1:25 000 - Nr. 1198 (Breitenstein) -
    aus dem Jahre 1938 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de


Kirchspieldörfer



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 01.07.2003
www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Sonntag, 13. Februar 2011