Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein :
Gut Tilsenberg - Tilsewischken

Das älteste der Güter, deren Komplex heute das Gut Tilsewischken bildet, ist "Budkuhnen", dem schon 1645 auf ewige Zeit (!) frei Bau- und Brennholz aus der kurfürstlichen Forst verschrieben wurde. Um jene Zeit, oder im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts, war Tilsewischken im Besitz der livländischen Familie von Koschkül. Zwei Brüder waren nach Preußen eingewandert, Hans auf Kosarken im Angerburgischen, Gerhard auf Blandau, um 1660. Gerhards Sohn vertauschte sein Gut mit Tilsewischken.

Zu Beginn des nächsten Jahrhunderts finden wir eine kurländische Adelsfamilie, die von Medem, im Besitz von Tilsewischken und Kowahlen, deren Nachkomme, Andreas auf Blandau, aber wieder 1734 nach Kurland zurückging und dort verschollen ist.
Aus einer Verschreibung für den Obersten Dietrich von Buddenbrook 1728 über Tilsewischken ersieht man, daß dieses 13 Hufen, Meldienen nebst dem Kruge 10 Hufen, Budkuhnen 6, Bebruwethen 1 Hufe, insgesamt 31 Hufen groß ist. Auch im Jahre 1728 besteht das Privilegium über frei Brenn- und Bauholz aus den Königl. Forsten noch.

Der nächste Besitzer ist Baron von Bondeli, der 1742 sein Gut Bebruwethen an Burba verkauft (es blieb ein Jahrhundert in der Familie, denn 1830 übergibt Christoph Burba seinem Sohn Bebruwethen). Von der Familie von Bondeli - ein Friedrich Julius Freiherr von Bondeli ist 1740 Amtsverweser in Memel - kam Tilsewischken an den Major Georg Heinrich von Repke. Dies pommersche Geschlecht schrieb sich früher Röpeke. Die Witwe des Majors heiratete den Amtsmann Hoffmann, dem sie das Gut zubrachte.
1777 ist Abraham Capitän Besitzer von Tilsewischken, welches 7000 Taler wert ist. 1851 besitzt Tilsewischken Baron von Lyncker; 1890 Bender, nach dessen Tode 1903 Tilsewischken an Käswurm, Meldienen an Jäger verkauft wurden, in deren Besitz die Güter sich noch 1912 befinden.
(aus: Jenny Kopp, Beiträge zur Chronik des ostpreußischen Grundbesitzes).

1785:
Adl. Gut mit 4 Feuerstellen.

1822:
Nach Prästationstabellen gehört Tilsewischken (Tilsenberg) zu Buttkuhnen. Die Schloß-Mehl-Mühle zum Adl. Gut Tilsewischken, Eigentümer: Ober-Amtsmann Hoffmann.Tilsewischken,

1829:
Adl. Gut und Krug, 6 Feuerstellen, Sprache deutsch und litauisch, 93 evangelische. Christen, L. u. St. Gerichtsassessor Mehlhorn, Insterburg.

1863:
Adl. Gut. Grundfläche: 1678 Morgen 50 Ruthen
Viehstand: 42 Pferde, 67 Rinder, 830 Schafe, 69 Schweine.
Gebäude: 31 - Bewohner: 136
Steuern
Grundsteuer:
Einkommensteuer:
Klassensteuer
Gewerbesteuer:
Kreisabgaben :
Schulabgaben:






59 Thaler 18 Silbergroschen 11 Pfennige
37 Thaler 15 Silbergroschen
50 Thaler 26 Silbergroschen 10 Pfennige
6 Thaler
32 Tahler 6 Silbergroschen 8 Pfennige"
3 Scheffel 12 Metzen Roggen
12 Scheffel Gerste
6 Zentner 105 Pfund Heu
26 Bund 2 Pfund Stroh
4 Thaler 3 Silbergroschen. 2 Pfennige
für die Schule Krauleidszen.

1864:
Tilsewiszken, Gutsbezirk. 125 Einwohner, 666 Morgen Ackerland (haupts.K1.4),
228 Morgen Wiese, Gesamtfläche 1001 Morgen, 6 Wohngebäude, 2 gewerbliche Gebäude, 19 steuerfreie Gebäude.

1871:
Rittergut Tilsewischken mit Vorwerk Meldienen; 8 Wohngebäude , 26 Haushalte, 150 Personen (1867 = 157 Personen), 150 Preußen, 150 Evangelische, 47 Analphabeten.
1905(07):
Gesamtfläche 241 ha, 5 Wohnhäuser, 16 Haushalte, 84 Personen, alle deutschsprechend.

1929:
Besitzer Emil Preugechas, Gesamtfläche. 286,5 ha, 193,5 ha Ackerland, 14 ha Wiese, 65 ha Weide, 1 ha Forst und Wasser. 42 Pferde, 149 Rinder, davon 53 Milchkühe, 98 Schweine, 20 Schafe, Herdbuchvieh.
1931(25):
Tilsewischken gehört zu Buttkuhnen. Gesamtfläche 338,6 ha, 11 Wohnhäuser, 23 Haushalte, 138 evangelische Personen.

1939:
Tilsenberg , 26 Haushalte, 109 Einw., 80 tätig in Landwirtschaft, 8 in Industrie und Handwerk, 5 in Handel und Verkehr, 9 Selbständige, 12 mithelfende Familienangehörige, 7 Beamte und Angestellte, 75 Arbeiter. 1 Betrieb von 0,5-5 ha, 3 = 10-20 ha, 1 = 100ha u. mehr.

Frau Palfner schreibt über das Gut Tilsenberg/Tilsewischken

Das Gut Tilsenberg, zur Gemeinde Tilsental gehörend, lag etwa 1 km von der Chaussee Breitenstein-Schillen entfernt. Die Größe des Betriebes war 287,50 ha. Der Landwirt Emil Preugschas hatte das Gut 1926 bei der Zwangsversteigerung erworben. Vorbesitzer war Bernhard Käswurm, der den Betrieb 1919 von einem unverheirateten Onkel mit Namen Bender, einem Verwandten des Lenlonischer Bender, geerbt hatte. Nachweislich soll vor dem ersten Weltkrieg auch ein Käswurm Tilsenberg besessen haben, der im ersten Weltkrieg gefallen ist.

Emil Preugschas galt in unserem Heimatkirchspiel als einer der angesehensten Landwirte. Als großer Praktiker hatte er die Mißstände im Betrieb schnell beseitigt und durch intensives, sparsames Wirtschaften das Gut schnell zu einer Blüte gebracht. Genau wie vorher in Rucken baute er eine gute Herdbuchviehherde auf und züchtete Trakehner Warmblutpferde. Der ertragreiche Boden eignete sich zum Anbau jeder Getreideart und Hackfrucht. Emil Preugschas war von den umliegenden Bauern sehr geschätzt und holten sie sich gern von ihm Rat. Seine offene Meinung, die auch mancher nicht hören wollte, bewahrheitete sich oft. Bis 1933 war er Kreistagsmitglied und bis zur Vertreibung bei der Viehverwertungsgenossenschaft in Tilsit im Vorstand. Bei der Molkereigenossenschaft Breitenstein war er Aufsichtsratsmitglied und Kirchspielsvorsitzender des landwirtschaftlichen Vereins.

Im Januar 1944 übernahm der zweite Sohn Kurt Preugschas das Gut Tilsenberg. Der alte Vater mußte aber den Betrieb bis zur Räumung leiten, da Kurt Preugschas während des ganzen Krieges bei der Wehrmacht war.






Bild links:
Tilsenberg:
Gutshaus Preugschas



Die Eltern Preugschas wurden auf der Flucht vor den Russen 1945 überrannt und nach Insterburg zurückgebracht. Frau Preugschas ist nach Rußland abtransportiert worden und nachweislich im März 1945 dort verstorben. Letzte Nachricht von Emil Preugschas ist aus dem Gefängnis in Insterburg, wo er zum Wasserholen eingeteilt war. Die Angehörigen haben nichts mehr von ihm gehört.

Der letzte Besitzer von Tilsenberg Kurt Preugschas ist nach dem Krieg 2 Jahre bei seinem Schwager von Rennenkampf in Alpen, Kreis Meers und 5 Jahre im Kreis Osterholz - Scharmbeck als landwirtschaftlicher Beamter tätig gewesen. 1952 wanderte er nach Canada aus und arbeitete dort mit seiner Familie auf einer kleinen Farm. Im Herbst 1954 kaufte er eine eigene kleine Farm und hatte einen sehr schweren Anfang. 1961 wurde die Farm verkauft und eine bessere und größere erworben, auf der sich die Familie noch heute befindet. Eigenbesitz 192 ha, zugepachtet ebenfalls 192 ha, davon landwirtschaftlich genutzte Fläche 220 ha. Betriebszweige sind Getreidebau zur Verfütterung, Schweinezucht und Mast, Milch- und Fleischvieh mit Nachzucht. Kurt Preugschas fing 1958 mit einer in Canada neugezüchteten Schweinerasse an und ist jetzt einer von den bekanntesten Züchtern dieser Rasse. Folgender Viehbestand befindet sich auf der Farm: 20 Milchkühe, 35 Fleischkühe mit Nachzucht und ca. 300 Schweine. Als Arbeitskräfte stehen ihm außer seiner Familie nur noch sein Neffe Gerhard Fergel aus Mixlauken zur Verfügung. Kurt Preugschas ist der einzige bekannte Landwirt aus unserem Kirchspiel, der jenseits des großen Teichs wieder festen Boden unter den Füßen gewonnen hat.

Die Gemeinde Tilsental, früher Buttkuhnen, zusammen mit Gut Tilsenberg hatte 5 Betriebe mit insgesamt 339 ha. Die Namen einiger Bauern sind bekannt. Szillat hatte ein Schmiedegrundstück. In den dreißiger Jahren wurde ein Polizeihaus gebaut. Diese Dienststelle war zunächst mit Gendarmeriemeister Brender und dann mit Gendarmeriemeister Friedrich besetzt.

Die Post befand sich im sogenannten Kruggrundstück an der Steinchaussee. Das Grundstück war Eigentum von Artschwager Meldienen. Postverwalter waren zunächst Handschuck, dann Kischkat, zuletzt Reisenauer. Zum Schulbezirk Tilsental gehörten Tilsenberg und Meldienen mit Sziebarten. Langjähriger Lehrer der Tilsentaler Schule waren Hoppe und sein Nachfolger Stanschus.

Im Meldiener Wald, der einige sehr schöne Wiesen einschloß, fand in jedem Jahr das große Schulfest der Buttkuhner und der Nachbarschulen statt. Sportliche Wettkämpfe wurden ausgetragen, es waren Erfrischungsstände aufgebaut, und eine flotte Musikkapelle spielte zum Tanz im Freien auf.

Über das Gut Adl. Meldienen hat Regierungsdirektor Bruno Artschwager berichten können:
Am 10.12.1918 haben es Otto und Marta Artschwager, die Eltern des Bruno Artschwager, die in Gütergemeinschaft verheiratet waren, von Gustav Huguenin gekauft; vorher gehörte es Jaeger. Das Gut hatte nach Zukauf des sogenannten Kruggrundstücks eine Gesamtgröße von 228,31 ha. Es grenzte im Norden an das Dorf Buttkuhnen, im Osten an das Dorf Sziebarten, das später mit dem Gut Meldienen zur Gemeinde Meldienen vereinigt wurde, im Süden an die Gemeinden Patilszen und Krebschen und im Westen an die Gemeinde Uszberszen. Bei den Nachbargemeinden handelte es sich um kleine Bauerndörfer.


Das Gut bestand aus Acker- und Weideland und 30 ha Wald. Es wurden Roggen, Weizen und Sommergetreide zu gleichen Teilen angebaut. Eine gute Herdbuchviehherde und Pferdezucht Trakehner Abstammung wurden auf dem sehr intensiv bewirtschafteten Betrieb gehalten. Frau Artschwager hatte eine in größerem Umfang aufgezogene Hühnerhaltung. Sie war nach dem Tode ihres Mannes am 30.9.24 bis zur Vertreibung mit ihren neun Kindern in ungeteilter Erbengemeinschaft eingetragene Eigentümer von Meldienen.
Der hübsche, mit vielen starken Eichen durchsetzte Wald mit den eingeschlossenen Wiesen wird jeden jagdlich Interessierten an die Treibjagden mit den großen Strecken erinnern, bei denen es nicht selten vorkam, daß 150 Hasen und einige Füchse erlegt wurden.

Meldienen war nicht elektrifiziert und die Wasserversorgung mit Benzinmotor betrieben. Bahn- und Verladestation war Schulen. Im November 1944 ist Frau Artschwager auf die Flucht gegangen. Der Evakuierungsort lag im Kreis Bartenstein. Die Gemeinde Meldienen hatte mit dem Gut 19 Betriebe mit 341 ha.

Der Hof Brandstäter hatte ca.30 ha, der vom letzten Bürgermeister Bubigkeit ca.15 ha. Es sind bekannt die Namen der Besitzer Podszus, Pettkus, Kubuttat, Schwaller, Morius, Abromeit, Ebner, Rautenberg und Wellsch. Die einzelnen Hektargrößen waren bei der Kreiskartei nicht zu ermitteln.

Bubigkeit hatte einen sehr gut eingebauten Hof, die Wirtschaftsführung vorbildlich und ein Begriff für die anderen Sziebarter Bauern, Er kam nur mit der sich anbahnenden Zeit nicht zurecht und brachte, bei Jeder sich bietenden Gelegenheit, Kritik und Ablehnung zum Ausdruck, Nach solch einem "Entgleisen" wurde er zum Amtsrichter nach Tilsit bestellt und ihm eine "freiwillige" Spende für das Winterhilfswerk als Strafe auferlegt. Als die Frage gestellt wurde, was er dazu zu sagen hätte, gab er zur Antwort:" Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." Darauf wurde er mit einer scharfen Mahnung entlassen. Ein guter Freund und Nachbar, der ihn auf diesem Gang begleitet hatte, sagte zu ihm auf dem Flur des Gerichtsgebäudes: "August, wenn Du bie diene Emma (Ehefrau) bliewe wollet, dann sie still." Antwort von Bubigkeit: "Wille, Du hast recht."

Quelle : Matthias Hofer und Christa Palfner : "Das Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein im Kreis Tilsit-Ragnit"; herausgegeben im Selbstverlag der Stadt Lütjenburg © 1971 (Text und Bild)

letzte Statistik (Stand : 1.08.1944) - Einwohner Stand :17.05.1939)
  • Tilsental (Einw.:109 ; Fläche:339 ha )
    • alter Namen:Buttkuhnen
      • Tilsenberg
        • alter Namen: Tilsewischken
        • nach 1945 : Groznoe
Anmerkung:
1) Ort und Wohnplatz zugehörig zu ev. Ksp. Breitenstein
2) Das Dorf Tilsental existiert nicht mehr

Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
  • Karte des Deutschen Reiches 1:100 000 - Ausgabe Kreiskarten/Kreis Tilsit-Ragnit aus dem Jahre 1940 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
  • Karte des Deutschen Reiches - Topographische Karte 1:25 000 - Nr. 1198 (Breitenstein) -
    aus dem Jahre 1938 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de


Kirchspieldörfer



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 01.07.2003
www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Sonntag, 13. Februar 2011