Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein :
Tilsen - Patilszen

In Tilsen waren 10 Betriebe mit insgesamt 112 ha. Bis zur Chaussee waren es 2 km und die Landwege im Frühjahr und Herbst sehr schlecht. In den zwanziger Jahren hat man sich dort noch erzählt, daß ein Teil des Waldes vom Gut Meldienen der Gemeindewald von Patilszen gewesen ist. Auf dem Gut Meldienen soll eine Spritbrennerei gewesen sein und haben sich einige Bauern zu viel mit dem Endprodukt beschäftigt. Dieses hatte zur Folge, daß die Ernteerträge schlechter und die Geldbeutel leerer wurden. Da hat man die Reserve, den Wald, verkauft.

Ganz anders war es in späteren Zeiten. Fleiß und Sparsamkeit zeichneten die Bauern aus, und es gelang ihnen, genau wie den Nachbargemeinden, die größten Erträge aus dem Boden herauszuholen. Man hielt auf den Bauernhöfen Trakehner; Stuten und Fohlen gingen später, durch Moulienen oder einen anderen Züchter angekauft, über den Remontemarkt zum Heer.

Manche Anekdote erzählte man sich von Patilszer Bauern. So lebte auf einem Hof ein Opa auf Altenteil, dieser sprach mit Leuten, von denen er meinte, sie wären nicht ganz seinesgleichen, nur in der dritten Person. Als kurz nach dem ersten Weltkrieg der alte Postbote Gasenzer aus Buttkuhnen in Pension gegangen war und ein junger Mann dem alten Opa seine Postsachen brachte, stellte der an ihn die Frage: "Es hee een rechtiger Brefträger?" Antwort in forschem Ton: "Na denkt hee een nogemokter?"

Von der Heimatauskunftstelle konnten die Namen der bis zur Vertreibung im Dorf Patilszen wohnhaften Bauern nicht erfragt werden. Fritz Rübensaat, früher in Staggen wohnhaft, erinnerte sich folgender Namen:
Kollecker, Reiner, Niederstrasser, Balaszus, Petrikat, Jurat, Skambracks, Wackus und Malzkies.

1757:
Am Insterfluß, in der Schorellenschen Forst = Adlerswader Forst, erreichte die Schatullsiedlung des Großen Kurfürsten kein großes Ausmaß. Unter den Verschreibungen für Neusiedlungen befindet sich auch Tilßen = Tilsen mit 4 Hufen (Ostpr. F. 15 304 Nr. 436) im Jahre 1757.

1785:
Patilsen = chat .-cölmischer Ort mit 4 Feuerstellen.
1822:
Patilszen (Tilsen) alias Skuszen. Das Dorf hat 16 Huben 14 Morgen 501/2 Ruthen,

Eigentümer Chatoull-Cöllmer:
Erdmann Pallapis ........................2 Huben 15 Morgen 150 Ruthen
Closmiee Paulikat .......................2 Huben 24 Morgen 1391/2 Ruthen
Hans Balladszus ..........................2 Huben 14 Morgen 811/2 Ruthen
Erdmann Danullis ........................2 Huben 19 Morgen 1401/2 Ruthen
Dorfschaft an Weide, Wald und Unland : ........5 Huben 4 Morgen 132 1/2 Ruthen
1839:
Patilszen (Kuszen) = chat.-köllm, Dorf, Sprache der Bewohner litauisch, 8 Feuerstellen, 49 evangelische. Christen.

1863 :
Patilszen, chat.-köllm. Dorf. Grundfläche : 494 Morgen 50 Ruthen
Viehbestand : 15 Pferde, 36 Rinder, 43 Schafe, 22 Schweine.
Gebäude : 20 - Bewohner: 54
Steuer:
Grundsteuer:
Klassensteuer:
Kreisabgaben:
Gemeindeabgaben:
Schulabgaben:




5 Thaler
40 Thaler 9 Silbergroschen 4 Pfennige
11 Thaler 26 Silbergroschen 8 Pfennige
1 Thaler 26 Silbergroschen
1 Scheffel 3 Metzen Roggen 10 Metzen Gerste
1 Zentner 75 Pfund Heu 12 Bund 1 Pfund Stroh
1 Thaler 5 Silbergroschen
für die Schule Sakalehnen.

1864:
Gemeindebezirk: 58 Einwohner, 302 Morgen Ackerland (haupts. Kl.6), 111 Morgen Wiesen, Gesamtfläche 439 Morgen, 8 Wohngebäude, 17 steuerfreie Gebäude.

1871:
8 Wohngebäude, 10 Haushalte, 52 Bewohner (1867=64 Bewohner), 52 Preußen, 52 evangelisch.

1905 (07):
Gesamtfläche 112 ha, 11 Wohnhäuser, 12 Haushalte, 64 Personen, alle 64 evangelisch, 53 sprechen deutsch, 11 litauisch.

1931:
Gesamtfläche 112 ha, 11 Wohnhäuser, 12 Haushalte, 66 evangelisch Personen
1939:
Tilsen : Gemeindebezirk. 12 Haushaltungen, 59 Personen, 51 in Land- und Forstwirtschaft, 4 in Industrie und Handwerk, 29 Selbständige, 18 mithelfende Angehörige, 8 Arbeiter.
1 Betrieb von 0,5-5 ha, 4 von 5-10 ha, 3 von 10-20 ha, 2 von 20-100 ha .

Quelle : Matthias Hofer und Christa Palfner : "Das Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein im Kreis Tilsit-Ragnit"; herausgegeben im Selbstverlag der Stadt Lütjenburg © 1971

letzte Statistik (Stand : 1.08.1944) - Einwohner Stand :17.05.1939)
  • Tilsen (Einw.:59 ; Fläche: 112 ha )
    • alter Namen: Patilschen (Patilszen)
    • nach 1945 : Koselevo

Anmerkung : zugehörig zu ev. Ksp. Breitenstein

Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
  • Karte des Deutschen Reiches 1:100 000 - Ausgabe Kreiskarten/Kreis Tilsit-Ragnit aus dem Jahre 1940 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
  • Karte des Deutschen Reiches - Topographische Karte 1:25 000 - Nr. 1197 (Grünheide) -
    aus dem Jahre 1938 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de


Kirchspieldörfer



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 01.07.2003
www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Sonntag, 13. Februar 2011