Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein :
Staggen

Die Gemeinde Staggen hatte 15 Bauern mit insgesamt 202 ha. Mit Ausnahme der Familie Awiszus, die nachweislich über 200 Jahre dort ansässig war und einen Hof von ca. 25 ha hatte, waren die anderen meistens erst in der dritten Generation dort wohnhaft. Seit 1906 wohnte Ehleben auf seinem ca. 67 ha großen Anwesen, Mettews seit 1926, er hatte ca. 30 ha. Die übrigen Besitzer hatten eine Größe von 4 - 12 ha, so die Familien Negraszus, Rübensaat, Jurkat, Hohenburg, Rose, Hoffmann, Mauer, Haller, Dauder, Giedigkeit, Guddat, Welekat und Kerkau, der Schmiedemeister war. Fritz Rübensaat, der dort geboren und später in Altweiden wohnte, wußte zu erzählen, daß der Name des Dorfes Staggen abgeleitet ist von Stoges gleich Dach.

Vor hundert Jahren nannte man das Dorf das rote Dorf, weil bei einem Bauern ein Vierfamilieninsthaus mit roten Dachziegeln gedeckt war, während in den Nachbardörfern alle mit Stroh oder Schindeln abgedeckt waren. Die Dorfstraße führte an einem großen Dorfteich vorbei, Scharen von Enten bevölkerten ihn. Am Südende stand die Dorfschmiede. Hier wurden in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg junge Menschen für den Beruf eines Wagen- und Beschlagschmiedes ausgebildet. In seiner etwas rauhen Art hatte der ehemalige Oberfahnenschmied und Schmiedemeister Kerkau sein Können weitergegeben. Sein rauher Ton brachte manchem seiner Kunden ein enttäuschtes Gesicht, wenn z.B. ein schmal gelaufenes Hufeisen, das noch einmal aufgeschlagen werden sollte, in hohem Bogen in dem Teich landete.
Im Winter war die Eisdecke des Teiches "bis in die Dunkelheit hinein" Tummelplatz. Nach Feierabend hatte die Jugend ihren Spaß und "krengelte" dort flott. Weil es in Staggen keinen Dorfkrug gab, war die Schmiede der Ort, an dem sich Nachbarn trafen, Neuigkeiten erfuhren und weitergaben.

Interessant waren auch die Leute die ihre Handelswaren auf dem Rücken trugen und im Dorf für die Nacht auf einigen Höfen Unterkunft fanden. Es gab auch solche, die mit Pferd und Wagen kamen und ihre Tauschgeschäfte machten. Junge Handwerker, Schneider und Stellmacher, die Wagen und Schlitten reparierten, Sattler, die Pferdegeschirre in Ordnung brachten oder auch Tischler, die Fenster und Türen für den Neubau machten, wurden auf den Bauernhöfen beschäftigt. Das Material lag schon jahrelang trocken auf dem Boden für diese Arbeit bereit.

Nicht unerwähnt bleiben soll der alte blinde Petrull, dessen Arbeit es war, Leinen, Stricke und Seile zu drehen, und die zu damaliger Zeit üblichen Rohrstühle auszuflechten. Er war schon vom 6.Lebensjahr ab blind, ging weite Wege ohne Führung, den Stab in der Rechten und sein feines Gehör halfen ihm dabei, die Bauern aufzufinden. Er hatte ein selten gutes Gedächtnis und erkannte viele Menschen an der Stimme. Obwohl er die Menschen unseres Kirchspiels niemals mit Bewußtsein gesehen hatte, schilderte er viele so, wie sie wirklich waren. Petrull war sehr musikalisch und spielte nach Feierabend gerne auf seiner Geige, dazu seine Lieblingslieder singend.
Auf dem Dorffriedhof in Opeln fand er seine letzte Ruhestätte und wurde ihm manch Blumengruß von seinen vielen Bekannten dort hingebracht.

1680:
Zur Zeit des Großen Kurfürsten setzte um das Jahr 1680 aufs neue eine rege Tätigkeit auf dem Gebiet der Schatullsiedlungen im unteren Instertal ein. Es war dem Kurfürsten gelungen, die Schweden schnell und siegreich aus dem Lande zu werfen, und die Erkenntnis des Schutzes und der Sicherheit dieser Regierung mag die große Siedlungsfreudigkeit ausgelöst haben.
So wurden in Staggen 1681 4 Hufen besiedelt. (Ostpr. F. 15 306 Nr. 594)

(Aus: Rieckenberg, Die Schatullsiedlungen in Preußen bis zum Jahr 1714(I.) S. 55/56)

1785:
Staggen = melirt Dorf,

1822:
Nach Prästationstabelle vom 3.4.1822 hatte Staggen eine Gesamtfl. von 29 Huben 5 Morgen 111 Ruthen und zahlte an Abgaben 50 Reichsthaler, 6 Silbergroschen 9 3/9 Pfennige ; Erbpachtzinsen betrugen 1 Rthlr. 10 Silbergroschen 6/9 Pfennige.

Wirk.-Eigentümer, Chatoull-KölImer.
Christoph Preugschat 2 Huben 7 Morgen 163 Ruthen
(dann Peter Neubacher)
Friedrich Preugschat 2 Huben 7 Morgen 163 Ruthen
Ruprecht Neubacher 2 Huben 7 Morgen 164 Ruthen
Michel Posudowsky 2 Huben 7 Morgen 164 Ruthen
Heinrich Preugschat 2 Huben 7 Morgen 164 Ruthen
George Giedigkeit

Dorfschaft 1 Huben 22 Morgen 111/2 Ruthen

Salzburger Kolonie-Bauern
Christian Brommelker 2 Huben 7 Morgen 164 Ruthen
Peter Neubacher 2 Huben 7 Morgen 164 Ruthen
1839 :
7 Feuersteilen, 52 Einwohner, 52 evangelisch

1863:
Chat.-köllmisch und Kolonie-Dorf.
Grundfläche: 947 Morgen 20 Ruthen
Viehstand: 24 Pferde, 57 Rinder, 53 Schafe, 27 Schweine
Gebäude: 31 Bewohner: 102
Steuern:
Grundsteuer
Klassensteuer :
Gewerbesteuer
Kreisabgaben:
Gemeindeabgaben:
Schulabgaben:





7 Thaler 4 Silbergroschen
80 Thaler 18 Silbergroschen 9 Pfennige
2 Thaler
21 Thaler 8 Silbergroschen 9 Pfennige
4 Thaler 17 Silbergroschen 6 Pfennige
2 Scheffel 2 Metzen Roggen
1 Scheffel 1 Metzen Gerste
3 Zentner 1 Pfund Heu
21 Bund 12 Pfund Stroh
1 Thaler 25 Silbergroschen
für die Schule in Sakalehnen
1864:
Staggen, Gemeindebezirk: 112 Personen, 536 Morgen Ackerland (haupts.Kl.5), 211 Morgen Wiese, 786 Morgen Gesamtflächeninhalt, 16 Wohngebäude, 20 steuerfreie Gebäude.

1871:
15 Wohngebäude, 20 Haushalte, 103 Einwohner (1867 = 122 Einwohner), 103 Preußen, 103 Evangelische, 17 Analphabeten.

1905:
Gesantfläche 200,9 ha, 17 Wohnhäuser, 21 Haushalte, 96 Personen, 78 deutsche Muttersprache, 18 litauischsprechend.

1931(25):
201,7 ha Gesamtfläche, 17 Wohnhäuser, 21 Haushalte, 112 Personen,
alle evangelisch.

1939(43):
19 Haushalter, 96 Personen, 71 in Land- und Forstwirtschaft, 26 in Industrie und Handwerk, 3 in Handel u, Verkehr, 21 Selbständige, 21 mithelfende Angehörige, 59 Arbeiter. 1 Betrieb von 5-10 ha, 1 = 10-20 ha, 6 = 20-100 ha.

Quelle : Matthias Hofer und Christa Palfner : "Das Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein im Kreis Tilsit-Ragnit"; herausgegeben im Selbstverlag der Stadt Lütjenburg © 1971

letzte Statistik (Stand : 1.08.1944) - Einwohner Stand :17.05.1939)
  • Staggen (Einw.:96 ; Fläche:202 ha )
Anmerkung :
1) zugehörig zu ev. Ksp. Breitenstein
2) Das Dorf existiert nicht mehr
Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
  • Karte des Deutschen Reiches 1:100 000 - Ausgabe Kreiskarten/Kreis Tilsit-Ragnit aus dem Jahre 1940 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
  • Karte des Deutschen Reiches - Topographische Karte 1:25 000 - Nr. 1198 (Breitenstein) -
    aus dem Jahre 1938 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de


Kirchspieldörfer



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 01.07.2003
www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Sonntag, 13. Februar 2011