Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein :
Neudorf

An das Dorf Sassenau schloß sich Neudorf an. Folgende Bauern mit der angegebenen Hektargröße wohnten da:
Kurras, Ernst ..........................3,47 ha
Brassat, Otto ..........................8,25 ha
Fink, Paul ...............................3,00 ha
Gronmeyer, Friedrich........... 8,50 ha
Isigkeit, Albert .....................13,50 ha
Kasmekat, Helene ................3,00 ha
Kleischmann, Eduard ...........4,60 ha
Krüger, Auguste ..................10,00 ha
Laupichler,Wilhelm ...............7,00 ha
Legat, Gerhard ...................12,50 ha
Lingnau, Gustav ..................13,00 ha
Meyer, Albert .........................6,40 ha
Müller, Adolf ..........................8,75 ha
Palokat, Franz ......................4,78 ha
Paulat, Fritz .........................10,00 ha
Preugschat,Ewald ................9,00 ha
Quedschuweit, Emil .............6,85 ha
Sausmikat, Otto .....................9,97 ha
Schäfer, Emil .........................4,08 ha
Schrun, Gustav .......................8,69 ha
Tienat, Auguste ....................10,00 ha
Weber, Karl .............................5,25 ha
Brauer, Franz ..........................3,50 ha
Gruber, Fritz ............................3,25 ha
Kleischmann, Otto ..................3,50 ha
Meyhöfer, Eduard ...................6,50 ha
Neubacher, Berta ...................3,00 ha
Pietät, Franz ..........................16,00 ha
Puschnerat, August ................5,00 ha
Steinwender, Gustav ..............6,75 ha
Sloksnat, Fritz .........................5,00 ha
Schimkat, Luise ......................2,00 ha
Urbitat,Ferdinand ...................7,50 ha
Rautenberg, August ...............3,75 ha

Der Bürgermeister des Ortes war Gustav Lingnau. Die kleine Besitzgröße der meisten Höfe erlaubte es, in der Tzullkinner Forst zu arbeiten.

Am Ort war seit 1901 eine Schule, zu der noch Kl. Pillkallen, die Försterei Kl. Stimbern und zuletzt Augsgirren gehörten. Der letzte dort unterrichtende Lehrer war Friedrich Dohrau, vorher Thiener und Schweingruber.
Neudorf war nicht elektrifiziert.

Dr. Gause sagt über Neudorf in seinem Verzeichnis neuer Ortsnamen in Ostpreußen: "Neudorf, neue Landgemeinde Krs.Ragnit, gebildet 27.1.1879 aus den Naujenis-Ländereien unter Abtrennung von den Landgemeinden Matterningken, Kauschen, Pillkallen, Opelischken, Schuppinnen und Augsgirren."

Daher erscheint dieser Ort erst in amtlichen Verzeichnissen von 1905(07) - Amtsbezirk Warnen. Gesamtfläche 205,9 ha, 43 Wohnhäuser, 48 Haushalte, 225 Personen, 217 deutschsprachig und evangelisch, 8 evangelisch und litauischsprechend.

1925:
Gesamtfläche. 206 ha, 50 Wohnhäuser, 198 evangelische Personen.

1939:
43 Haushaltungen, 157 Personen, 127 in Land- und Porstwirtschaft, 3 in Industrie und Handel, 2 in Handel und Verkehr, 69 selbständig, 54 mithelfend, 1 Beamter oder Angestellter, 10 Arbeiter.
10 Betriebe von 0,5-5 ha, 16 von 5-10 ha, 10 = 10-20 ha.

Bericht von Emil Schäfer aus der Gemeinde Neudorf :

"Die Gemeinde Neudorf ist erst dadurch entstanden, daß der Staat nach dem 30-jährigen Krieg, sowie nach dem Krieg 1806/07 seine Finanzen aufbessern mußte. Der Staat mußte Forstländereien an Privatpersonen verkaufen. Die Feldmark umfaßte 206 ha und lag an der Kreisgrenze. Die Nachbargemeinden gehörten schon zu Kreis Schloßberg. Die Kreisgrenzen von Gumbinnen und Insterburg waren auch nur ein paar Kilometer von Neudorf entfernt. Angesiedelt hatten sich sehr strebsame Menschen, die das Land sehr billig bekamen, und das Holz zum Bauen aus der angrenzenden Forst Stimbern war auch billig. Die Bewohner waren wohl Preußen, Litauer und Salzburger. Die kleinen Grundstücke von 10 bis 70 Morgen waren über die ganze Gemeindefläche verteilt, so daß jeder auf seinem Land wohnte. Aber die kleinen Landwirte hatten oft mehr in der nahen Forst gepachtet, als ihr eigenes Grundstück groß war. Zur Zeit der Vertreibung waren es mit der Schule 36 landwirtschaftliche Betriebe, die mit sehr viel Liebe und Interesse betrieben wurden.
Die Einwohnerzahl von 160 war durch den letzten Weltkrieg sehr zusammen-geschmolzen. Es waren 18 Gefallene und Vermißte, 3 Zivilverschleppte und 29 auf der Flucht und an den Folgen verstorben.

In Neudorf wurde 1908 eine neue Schule gebaut. Vorher war die Schule in Neudorf 4 Jahre eingemietet, weil die Schule in Sassenau, zu der wir vorher gehörten, zu klein war. Denn zu meiner Zeit waren in dieser einklassigen Schule bis zu 100 Kinder und darüber. Herr Lehrer Thieler von der Schule Neudorf hat sich für Neudorf sehr verdient gemacht. Nach dem 1. Weltkrieg hat er den Raiffeisenverein Neudorf gegründet, der uns nicht nur im Geldverkehr Vorteile verschaffte, sondern auch durch Bezug von Kunstdung, Kohlen Sämereien usw.. Als Lehrer Thieler versetzt wurde, kam Lehrer Dorau. Er übernahm auch die Raiffeisenkasse. Er war der populärste Mann der ganzen Gegend und ein hervorragender Imker. Wenn wir die Raiffeisensitzungen hatten, dann wurde der Honig abgeschmeckt. Aber vorher mußte der Honig mit gutem Weinsprit gemischt werden, sonst war der Honig zu stark! Und so entstand ein genießbarer Meschkinis. Lehrer Dorau ist leider 1945 beim Volkssturm vermißt, er war schon 59 Jahre alt.

Die Erzeugnisse aus der Landwirtschaft wurden fast jede Woche nach dem 9 km entfernten Breitenstein (Kraupischken) geliefert. In Breitenstein war auch die Molkerei. Da es zur Milchanlieferung zu weit war, wurde die Milch zu Hause verarbeitet und nur Butter geliefert. Die Magermilch wurde an die Schweine verfüttert, die dafür sehr dankbar waren.

Am Donnerstag jeder Woche war in Breitenstein Wochenmarkt. Da war fast jeder Betrieb vertreten, entweder mit Ferkeln, Gemüse oder Obst. Getreide wurde meistens an die Haustiere verfüttert, aber Butter und Eier wurden um so mehr verkauft.

Dann war die Dampfmühle Metschulat, die uns mit Allem versorgte. In Breitenstein waren sämtliche Geschäfte, Ärzte, Apotheke, Drogerien und zwei Landmaschinenhändler vertreten, die die Landbevölkerung mit allem versorgte. Es war dann ein sehr reges Leben und für Durstige ein Pest. Aber die Landwege waren im Herbst und besonders im Frühjahr, wenn der Frost aus dem Boden heraus war, bis zur festen Straße unpassierbar. Da ging es nur mit langen Schäften und auch nicht immer. Als früher die Eymenisbrücke bei Kauschen noch nicht war und im Frühjahr Hochwasser war, dann mußte man oft unverrichteter Dinge umkehren und wieder nach Hause gehen. Am schlimmsten war es in Notfällen, wenn ein Arzt, Tierarzt oder eine Hebamme zu holen war. Dann war guter Rat teuer. Obwohl die Landwege durch Neudorf und besonders im Winter nach Holzterminen, von den bis 15 Kilometer abgelegenen Gemeinden sehr viel benutzt wurden, es waren oft Wagenkolonnen, die gar kein Ende hatten, war es nicht möglich, eine feste Straße zu bekommen."


Pastor i.R. Moderegger schreibt:

" Eine andere Waldsiedlung entstand auf dem den Bauern von Stimbern gehörenden Wiesengelände am Rande des Forstes. Siedler hatten hier viel Land, ca. 40 Morgen. Sie konnten sich kleine Pferdchen halten, aber ihre Hütten waren erbärmlich arm, aus festen Rasenstücken der nie genutzten Wiesen erbaut. Humorvoll schilderte ein alter Neudorfer, wie die Nachbarn spaßeshalber sich gegenseitig des Nachts auf die Dächer krochen, um sich aus dem Schornstein etwas Rauchfleisch zu angeln.
Am Sonntagmorgen fuhr man in einer langen Reihe auf leichten Wägelchen, mit je einem der kleinen struppigen Pferdchen bespannt, zur Kirche.
Später wurden feste Häuser neuerbaut. Unter ihnen war die Schule das stattlichste Gebäude."

Quelle : Matthias Hofer und Christa Palfner : "Das Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein im Kreis Tilsit-Ragnit"; herausgegeben im Selbstverlag der Stadt Lütjenburg © 1971

letze Statistik (Stand : 1.08.1944) - Einwohner Stand :17.05.1939)
  • Neudorf ( Einw. :157 Fläche :206 ha )

Anmerkung:
1) zugehörig zu ev. Ksp. Breitenstein
2) das Dorf existiert nicht mehr

Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
  • Karte des Deutschen Reiches 1:100 000 - Ausgabe Kreiskarten/Kreis Tilsit-Ragnit aus dem Jahre 1940 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
  • Karte des Deutschen Reiches - Topographische Karte 1:25 000 - Nr. 1298 (Stablacken) -
    aus dem Jahre 1938 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de


Kirchspieldörfer



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 01.07.2011
www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Samstag, 12. Februar 2011