Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein :
Moulinen - Moulienen

Die Begründung des Amtes Moulienen ist auf persönliche Entschließung König Friedrich Wilhelms I. zurückzuführen, der wiederholentlich seinen preußischen Beamten die Order gab, im Amte Insterburg "50 Vorwerker voll zu haben"; davon 1722 aber erst 38 "ernstlich vorhanden". - -

1723 und 24 werden somit eine größere Anzahl wüster Huben, Dorfstellen und Privatgüter im Insterburgischen Bezirk zu Königl. Domänen zusammengelegt; ich nenne beispielsweise Disselwethen, Budweitschen, Sodargen, Uszpiaunen (ein Gut des Obersten von Buddenbrook), Budupöhnen usw.

Am 4.August 1723 fand in Ragnit in Gegenwart des Königs eine Besprechung "über das preußische Retablissement" statt, wobei Friedrich Wilhelm I. sein Augenmerk vornehmlich auf die Einrichtung musterwirtschaftlicher Domänen und Ansetzung tüchtiger Bauern richtet; hier sprach er sich dahin aus "er wolle die Hände in dem angefangenen Werk nicht sinken lassen, und nicht eher ruhen, bis die Wüsteneien aufgehört und die 700 Bauern in Höfe angesetzt seien, von welchen noch ein gut Teil künftiges Jahr fertig sein müßte".

Als Mitglieder der Kommission, denen diese Arbeiten im Amt Insterburg zu übertragen seien, werden der Kriegsrat Löllhöffel (von Löwensprung) und der Oberstleutnant du Moulin genannt. Es läßt sich mit Sicherheit annehmen, daß nun die Begründung des Amtes Moulienen eine Frucht ihrer Tätigkeit gewesen, und die neue Schöpfung den Namen nach dem Obersten du Moulin erhalten hat! Es war ihm anbefohlen, den ganzen Winter über in Litauen zu bleiben, um den Fortgang der Arbeiten gründlich fördern und beaufsichtigen zu können. Die neuen Vorwerke sollten zunächst ein Jahr administriert, und wenn sich die "deutsche Wirtschaft" vollständig eingebürgert, demnächst in Generalpacht ausgegeben werden. Von wem die Hauptländereien abgekauft, vermag ich nicht beizubringen; Kerstupischken und Kapsticken besaßen im 17.Jahrhundert die Herren von Götzen.

Der erste Pächter war wohl Georg Wilhelm von Manstein, der Moulienen 1729 pachtete, aber bald darauf soviel durch Feuersbrünste verlor, daß er an Vieh und Pferden und Inventarien 5000 Taler Verluste erlitt. Im Jahre 1735 lebten im Amt 104 eingewanderte Salzburger. - Ein späterer Generalpächter war der am 22.August 1729 zu Steinwalde geborene Benjamin Philipp von Schimmelpfennig, der Moulienen und Laukischken in Verwaltung nahm und Breitenstein zum Eigentum erwarb. - 1784 gehörte Friedrichswalde als ein Vorwerk zu Moulienen. Sein 1758 geborener Sohn Friedrich Christian Übernahm die Ämter und erwerbte 1787 Breitenstein; er war vermählt mit einem Fräulein von Wenkstern, Im Jahre 1795 trat er die Generalpacht von Moulienen mit Vorwerk Pleinlauken an Johann Friedrich Schlenther ab, der beides am 27.Februar 1812 käuflich erwarb. Bei der Erbteilung erhielt 1824 Johann Adolf Schlenther das Hofgut Moulienen, Johann Otto Pleinlauken, das 1855 durch Verkauf aus der Familie ging. Im Erbwege kam am 12.September 1869 Molienen an Herrn Johann Louis Schlenther und befindet sich bis dato noch in seinem Besitz.

Quelle: Jenny Kopp, Beiträge zur Chronik des ostpreußischen Grundbesitzes 1.Teil, Regierungsbezirk Gumbinnen und Kr. Memel.

1785:
Königl. Vorwerk und Sitz des Domänenamtes an der Inster mit 14 Feuersteilen.

1822:
Nach Prästationstabellen:
Moulinen mit Chausseehaus Karpotschen, Kl.Moulinen und Neu-Moulinen.
Erbkrüger: Oberamtmann Schlenter.

1. Carl Berger....................1 Hufe...1 Morgen...126 Ruthen

2. Carl Schmidt .................0 Hufe...1 Morgen.....10 Ruthen

Aug. Herm. Lucanus sagt 1748:
"Moulinen: Cammerambt, unweit der Inster, welches, als es 1727 durch Feuer vom Himmel verzehrt war, bald darauf geraumer und besser wieder aufgeführet worden. Es liegt an der Landstraße auf einer Höhe, und ist samt dem massiven, etwas davon abgesondert stehenden Brau- und Darrhause eines der zierlichsten Ambtshäuser im Lande. Der schöne Garten, mit seinen Terrassen, isr 1748 angeleget."

1839:
Moulinen : adl. Gut, Sprache der Einwohner litauisch und deutsch, 12 Feuerstellen, 204 evangelische Christen.

1863:
Adl. Gut Moulinen:
Grundfläche: 2777 Morgen 72 Ruthen
Viehstand: 46 Pferde, 124 Rinder, 1105 Schafe, 112 Schweine.
Gebäude: 24 - Bewohner: 200
Steuern:
Grundsteuer :
Einkommensteuer
Klassensteuer :
Gewerbesteuer :
Kreisabgaben:
Gerneindeabgaben:
Schulabgaben:





10 Groschen
125 Thaler,
65 Thaler. 13 Silbergroschen.8 Pfennige,
6 Thaler
70 Tahler 8 Silbergroschen
154 Thaler 15 Silbergroschen 8 Pfennige
12 Scheffel Roggen, 32 Zentner Heu,
2 Schck. Bund Stroh,
5 Klafter Holz, 5 Klafter Torf,
11 Thaler
für die Schule Moulinen.

1864(69):
Moulienen - Gutsbezirk mit 196 Einwohnern, 1675 Morgen Ackerland (haupts.Kl.5), 539 Morgen Wiesen, 192 Morgen Wald. 15 Wohngebäude, 3 gewerbliche Gebäude und 21 steuerfreie Gebäude

1871:
Moulienen = Rittergut, 15 Wohnhäuser, 40 Haushalte, 230 Personen (1867 = 210 Pers.), 230 preußisch, 223 evangelisch, 7 sonstige Christen.

1905:
Moulienen mit Chausseehaus, Kl.Moulienen und Neu-Moulienen:
Gesamtfäche 722 ha, 18 Wohngelegenheiten, 38 Haushalte, 216 Personen, 216 evangelische, 215 deutschsprechend, 1 deutsch und eine andere Sprache.


1929:
Moulienen, Rittergut mit den Vorwerken Neu- und Kl. Moulienen und Karpotschen, sowie Anteil in Kraupischken,
Eigentümer Erich Schlenther, Verwalter A. Degurski.
Grundsteuerreinertrag: 9.226,00 RM,
Gesamtfläcche : 830 ha, 500 ha Acker, 110 ha Weide, 110 ha Forst- und Wasserfläche, 120 Pferde, 250 Rinder, davon 120 Milchkühe, 60 Schweine, 20 Schafe (die letzten beiden Zahlen incl. Deputantenvieh). Herdbuchherde, Warmblutzucht, Anschluß an Überlandzentrale Ostpreußen, Ziegelei.
1931:
Moulienen mit Chausseehaus, Karpotschen, Neu-Moulienen und Kl. Moulienen: Gesamtfläche. 848 ha, 20 Wohnhäuser, 56 Haushalte, 296 Einwohner, 290 evangelische, 2 katholisch.

1939(43):
Moulienen: 45 Haushaltungen, 204 Einwohner,
153 in Land- und Forstwirtschaft, 24 in Industrie und Handwerk, 4 Selbständige, 1 mithelfende Familienangehörige, 19 Beamte und Angestellte, 162 Arbeiter.
3 Betriebe von 0,5-5 ha, 1 von 5-10 ha, 1 = 100 ha und mehr.

In Moulienen wurde am 11.Dezember 1851 Hermann Brandstätter geboren. Ihm verdankt die deutsche Jugend eine Anzahl wertvoller Schriften. Brandstätter besuchte das Lehrerseminar in Karalene. Seine erste Anstellung erhielt er in der Kirchschule zu Kattenau. Andere Wirkungsstätten waren die Knabenvolksschule in Insterburg und das städtische Realgymnasium zu Königsberg. Seit 1 April 1876 war er als Vorschullehrer am Gymnasium zu Insterburg tätig. Als seine besten Jugendbücher können genannt werden: Erichs Ferien, Friedel findet eine Heimat, Das böse Latein und Die Zaubergeige.

Quelle : Matthias Hofer und Christa Palfner : "Das Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein im Kreis Tilsit-Ragnit"; herausgegeben im Selbstverlag der Stadt Lütjenburg © 1971

letzte Statistik (Stand : 1.08.1944) - Einwohner Stand :17.05.1939)
  • Moulinen ( Einw. :204 - Fläche : 848 ha )
    • alter Namen: Moulienen
    • nach 1945 : Milhajlovka
      • Karpenfeld, Gut
        • alter Namen : Karpotschen, Gut
Anmerkung :
zugehörig zu ev. Ksp. Breitenstein

Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
  • Karte des Deutschen Reiches 1:100 000 - Ausgabe Kreiskarten/Kreis Tilsit-Ragnit aus dem Jahre 1940 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
  • Karte des Deutschen Reiches - Topographische Karte 1:25 000 - Nr. 1298 (Breitenstein) -
    aus dem Jahre 1938 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de



Kirchspieldörfer



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 01.07.2011
www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Samstag, 12. Februar 2011