Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein :
Die Kirchspielschule Kraupischken
von Fritz Brix

Kraupischkens erste Schule entstand in der Reformationszeit des Jahres 1555, fast zur gleichen Zeit, als die dortige Kirchengemeinde sich etablierte. Zum Kirchspiel gehörten etwa 40 Dörfer nebst mehreren Gutshöfen.

Von ersten Geistlichen, Pfarrer Jamund, wird berichtet, daß er gleichzeitig auch als Lehrer der Kirchschule amtierte.

Um die Mitte des 16.Jahrhunderts bestand der Kirchort nur aus wenigen Gehöften. Die Schülerzahl war deshalb gering, zumal der Schulbesuch aus den benachbarten Dörfern der weiten Entfernung und der schlechten Wegeverhältnisse wegen höchstens in der guten Jahreszeit möglich war.

Als Einrichtung der Kirche gegründet, war die Schule für die neue evangelische Gemeinde eine Notwendigkeit, weil so die Mitwirkung des Kirchschullehrers und seine Kinderchores am sonntäglichen Gottesdienst gewährleistet schien. Aber auch die anderen kultischen Handlungen des Ortsgeistlichen, wie z.B. Trauungen und Leichenbegräbnisse, bedurften nach den Gebräuchen jener zeit der Mitwirkung des Kirchschullehrers und seiner Schulkinder.

Seit dem 17.Jahrhundert bürgerte sich im nördlichen Ostpreußen, vor allem in Preußisch-Litauen, die für die Leiter von Kirchschulen die Bezeichnung Präzentor ein. In späteren Jahren gehörte auch der Kantordienst zu den Pflichten des Kraupischker Präzentors.

Bild unten: Die "alte Schule" am Insterufer (Bild: Sammlung Stadt Lütjenburg)

Noch im Jahre 1610 mangelte es der Kirchschule an einer Lehrkraft. Pfarrer Walwerius mußte einspringen und den Unterricht der wenigen Schüler mitversehen. Gleich danach erhielt die Kirchschule einen eigenen Lehrer, den am 1.April 1615 verschrieb das Amt Georgenburg zwei Morgen Land " zur Nutzung von Schulmeister Kalauen in Kraupischken".

Gelehrt wurde im 16. und 17.Jahrhundert fast ausschließlich religiöse Memorierstoffe. Erst um 1700 herum erschienen auch Lesen und Schreiben auf dem Stundenplan.

Am 15.1.1711, nur wenige Jahre nach der Pestzeit, erließ die Berliner Regierung eine bemerkenswerte Verordnung zur Bekämpfung der Unwissenheit in Ostpreußen. Danach sollte "eine jede Dorfschaft einen Knaben - ein größeres Dorf zwei - mit Lebensunterhalt versorgen und zur Winterzeit in die Kirchschule schicken." In den Kirchenakte jener Zeit findet sich der Vermerk " Ungeachtet der königslichen Verordnung bleiben die Kirchschulen in Ostpreußen zur Winterzeit, nicht zuletzt infolge grenzenlosen Unverstandes der Landbevölkerung, völlig leer".

Während der Regierungszeit Friedrich Wilhelms I. entstanden in Durchführung seines großen Schulbauprogrammes überall einklassige Landschulen. Im Kirchspiel Kraupischken wurden die Schulen in Plimballen, Rauschen, Krauleidschen und Sakalehnen gebaut.

Im Zeitalter des sparsamen "Soldatenkönigs" konnten die Schulmeister an den Dorfschulen, die neben ihrem Schulamt in der Regel auch noch ein Handwerk ausübten, mit ihrem Einkommen "keine großen Sprünge machen."

Bis Mitte des 19.Jahrhundert blieb die Kirchschule Kraupischken einklassig. Als die Schülerzahl anstieg, wurde zwar ein zweite Klasse eingerichtet., doch mußte der Präzentor sich eines Präparanden ( Lehrer in Ausbildung) als Helfer bedienen. Erst 1889 kam es zur Besetzung der zweiten Lehrstelle.

Bild links: Die neue Schule (Sammlung Hofer/Palfner)

Ab 1900 stieg die Schülerzahl des sich schnell entwickelnden Kirchortes stark an. Der Bau eines modernen Schulgebäudes konnte nicht mehr länger hinausgeschoben werden. 1928 wurde die neue vierklassige Hauptschule eingeweiht. Kurz vorher (1920) war auch das letzte Band gefallen, das an die Zeiten erinnerte, als die Schule noch eine Institution der Kirch war; die geistliche Schulaufsicht.

Von jetzt ab unterstand die Schule nicht mehr der Aufsicht des Ortsgeistlichen, sondern war direkt der stattlichen Kreisschulinspektion zu Ragnit unterstellt.

Durch Errichtung von weiterführenden "gehobenen" Klassen an der Volksschule, ferner durch Schaffung von Fortbildungs- und Berufsschulklassen, paßte sich das Kraupischker Schulwesen im letzten Jahrzehnt vor dem zweiten Weltkrieg immer mehr den Erfordernissen der neuen Zeit an.

Ein dornenvoller und an Rückschlägen nicht freier, aber letzthin höchst erfolgreicher Aufstieg hatte von der kleinen, dürftigen Kirchschule von einst zum blühenden und leistungsfähigen Schulwesen des letzten Jahrzehnts geführt, ein Schulwesen, wie es noch lebende Generationen " alter Kraupischker" in bester Erinnerung geblieben ist.

Bild rechts: Breitenstein im Jahre 2000: Die Schule renoviert und eingezäunt.(Bild: Klaus-Dieter Metschulat)

Quelle : "Tilsit-Ragnit - Stadt und Landkreis " ein ostpreußisches Heimatbuch
von Fritz Brix - Holzner-Verlag ,Würzburg 1971 - (Buch nicht mehr erhältlich)

Breitenstein



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 01.09.2004
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letzte Änderung dieser Seite : Donnerstag, 3. Februar 2011