Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein :
Kauschen

Das Dorf Kauschen lag an der Chaussee Tilsit-Gumbinnen und war 4 km vom Kirchdorf Breitenstein entfernt. Es bestand, nachdem 1928 das Gut und in den dreißiger Jahren die kleinen Gemeinden Tutteln und Matterningken zugeschlagen waren, aus 15 landwirtschaftlichen Betrieben. In Kauschen war ein Gasthaus mit Kolonialwarengeschäft, welches ab 1908 Otto Kaiweit besaß, und vorher ist der Name des Besitzers Lettau bekannt. Aus einer Niederschrift ist zu entnehmen, daß der Krug durch eine Urkunde mit Unterschrift und Siegel des großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm am 10.3.1646 mit 10 Hufen, 7 Morgen und 100 Ruthen Land dem Jäger und Wildnisbereiter Merten Püchtern zu köllmischen Rechten verliehen wurde. Diese Aufzeichnung ist die älteste, die von Kauschen in Erfahrung gebracht werden kann.

Die Namen der Besitzer in Kauschen und ihre Hektargröße sind folgende:
Bajorat, Willy - 25,21 ha
Ehlert, Otto - 30,00 ha
Giedigkeit, Adolf - 23,02 ha
Hardt, Otto - 146,00 ha
Jakobeit, Arthur - 10,00 ha
Kaiweit, Bruno - 18,20 ha
Palfner, Alfred - 206,00 ha
Ruttkat, Eduard - 13,00 ha
Schäfer, Eduard - 4,50 ha
Schilloweit, Wilhelm - 11,25 ha
Schmidt, Walter - 39,86 ha
Sembach, Ernst - 21,50 ha
Kein, Gustav -18,00 ha
Nassowitz, Otto - 1,00 ha
PreuB, Johannes - 50,00 ha
Sausmikat, Max - 0,50 ha
Wienert, Wilhelm - 2,00 ha

Die Grundstücke der Familien Schmidt, Ehlert, Preuß und Hardt, vormals Meyer, waren mehrere 100 Jahre im Familienbesitz.

Hermann Schmidt hat 1923 sein Wohnhaus umgebaut und modernisiert. Als er im letzten Krieg sein Grundstück an seinen Sohn Walter abgab, waren alle Gebäude seines Hofes in sehr guter baulicher Verfassung. Friedrich Ehlert war viele Jahre Bürgermeister der Gemeinde Kauschen und hat bei seiner ehrenamtlichen Arbeit auch bei den Behörden viel Anerkennung gefunden.

Bei den Familien Schmidt und Ehlert wurde noch bis zu den dreißiger Jahren Flachs angebaut und gewebt. Johannes Preuß, Züchter von guten edlen Trakehner Pferden, zeigte diese gerne bei einer Ausfahrt oder bei einem Ritt.
Gustav Kein lag etwas abseits der festen Straße. Der Hof war ein Familienbetrieb. Durch viel Fleiß konnte das schwerer zu bewirtschaftende Grundstück in einen guten Zustand gebracht werden.
Alle Bauern in Kauschen hingen sehr an ihrer Scholle, hatten durchweg ertragreichen Mittelboden und waren redlich bemüht, dem Land an Erträgen soviel abzuringen, wie nur irgend möglich. Die Ackerschläge, an den Steinstraßen gelegen, konnten von den Vorbeifahrenden übersehen und "kontrolliert" werden. Dazu war man immer bemüht, der Umwelt ein gutes Bild zu vermitteln.

Im Westen grenzte der Eymenisfluß unsere Gemeinde von Sassenau ab. Ganz im Gegensatz zu dem sonst vorhandenen flachen Land, befand sich dieses Flüßchen in einem tiefen Einschnitt. Trotz des verhältnismäßig niedrigen Wasserstandes nahm kristallklares Wasser auch bei trockensten Jahreszeiten im starken Gefalle seinen Lauf zum 4 km entfernt liegenden Insterfluß. Alle anliegenden Bauern hatten ihre Weidegärten so angelegt, daß dem Vieh immer frisches Trinkwasser zur Verfügung stand. An den Abhängen zum Flüßchen standen hohe Laubbäume, zum Teil kerzengerade alte Eichen, die dem Vieh in der Sonnenglut Schutz gaben. Ein Spaziergang am Sonntag erfreute Alt und Jung, und so manches Sträußchen Anemonen und Leberblümchen wurde mit nach Hause genommen. Auch die Schulfeste, über die später berichtet wird, fanden im Eymenistal statt.


Als ältester handwerklicher Betrieb sei die Windmühle von Franz Sachs genannt. Sie spielte bei dem Gefecht bei Kauschen 1914 eine wichtige Rolle und wird dort erwähnt. Die Mühle wurde später abgebrochen, und einige Morgen Land wurden an Gastwirt Kaiweit verkauft. Den Hof mit dem restlichen Land kaufte Friedrich, aus Opehlischken kommend. Die Witwe verkaufte später das Grundstück an den letzten Breitensteiner Pfarrer, Dr. Moderegger. Dieser baute das Stallgebäude zu Wohnungen um und richtete gleichzeitig einen Raum als Andachtsraum für Bibelstunden ein.

Im Wohnhaus der alten Frau Emma Friedrich wohnte der Schlachter Daudert. Frau Friedrich hat bis in ihr hohes Alter es meisterhaft verstanden, richtige hohe Baumkuchen, wie sie die beste Konditorei nicht herstellen konnte, zu backen.

Gegenüber des Friedrich'schen Grundstücks war der Hof von Albert Meyer, den 1913 Otto Sembach kaufte. 1925 hat Sembach die elektrische Anlage und die Mühle mit Umtauschstelle eingerichtet. Auf dem Friedrich'schen Land baute Otto Nassowitz 1935 ein Wohnhaus und richtete 1937 sich eine Werkstätte für Bau- und Möbeltischlerei ein, die er bis zur Vertreibung führte. Ein anderer handwerklicher Betrieb war der vom Schneidermeister Schäfer. Er hatte das Grundstück gegenüber der Gastwirtschaft Kaiweit von dem Briefträger Puschnerus erworben, der es einmal von Eduard Kolbach gekauft hatte. In den dreißiger Jahren brannte das Haus ab und wurde modern aufgebaut. Ein Schuhmacher, Otto Link, hatte seine Reparaturwerkstatt dem Schulgebäude gegenüber.

Die von Palfner gepachtete Gutsschmiede führte Max Sausmikat, der ein Hausgrundstück mit Ladengeschäft baute und eine Reparaturwerkstätte für Fahrräder und Verkauf von Fahrrädern usw. betrieb.

Die im Ortsteil Matterningken wohnhaften Bauern waren Bajorat, Schillomeit, Jakubeit, Giedigkeit, Ruttkat und Wienert. Die Vorbesitzer von Bajorat waren Rudolf Wagner und Christoph Ballnuweit. Von Wagner kaufte das Grundstück Franz Bajorat 1925, und sein Sohn Willy übernahm es 1932.

An dem Landweg, der von der Steinchaussee nach Güldengrund abzweigte, wohnte August Schillomeit, dessen Gehöft, genau wie das von Adolf Giedigkeit, im August 1914 durch Beschuß abbrannte; Beide Grundstücke sind in tadellosem Zustand aufgebaut worden. So manchem von uns ist August Schillomeit noch lebhaft in Erinnerung, und wenn es ostpreußische Originale gibt, so gehört er bestimmt auch dazu. Im ersten Weltkrieg als Bursche im Hauptquartier Hindenburgs tätig gewesen, sprach er sehr gerne davon.
Hier seine Redensart, die alle zum Lachen brachte: "Doa stund wie .... doa kiekt wie .... doa docht wie ...... wie wäre datt so moake, ek un de Hindenborg un de Ludendorff."
"Ek un de Hindenborg" kam bei jedem vorher Gesagten.

Die Bauernhöfe Schimkat, später Jakubeit, und Giedigkeit waren beide früher im Besitz der Familie Schimkat, 1911 kaufte Fritz Giedigkeit, der Vater des letzten Besitzers Adolf Giedigkeit, den Bauernhof vom August Schimkat. Der Bruder Johann Schimkat gab seinen Hof an seinen Schwiegersohn Jakubeit ab. Die Geschwister Ruttkat bewirtschafteten ein Grundstück, das lange in der Familie gewesen sein soll. Nach Ermittlungen sollen sie zur Flucht im Oktober 1944 nicht zu bewegen gewesen sein, und über ihr Schicksal ist nichts bekannt.

Das kleine Gehöft Wienert hat viele Male den Besitzer gewechselt. Erbaut ist das Gehöft von einem Kolbach, 1907 in den Besitz von Schneider Friedrich (Czunczeleit) übergegangen, 1920 an Eduard Deskau verkauft, der es bis 1928 hatte. Dann erwarb es Böttcher Müller, der es 1935 an Lux verkaufte. Von ihm hat es 1941 Wienert erworben.


Kauschen: Schule mit Lehrer und Schülern

Die Gemeinde Kauschen hatte eine einklassige Schule, die die Kinder von Kauschen und den eingemeindeten Ortsteilen Tutteln und Matterningken sowie von Opeln besuchten. Es sind die Namen der Lehrkräfte Luckat, Festerling, Görlitz und Schwendt bekannt. Allgemeiner Beliebtheit erfreuten sich die alljährlich in Kalweits Weidegarten abgehaltenen Schulfeste, zu denen auch aus den Nachbargemeinden die Schulklassen kamen. Der Gastwirt hatte Stände aufgebaut, und man konnte Süßwaren und Limonade für sein "bescheidenes" Taschengeld kaufen. Bei Spiel und Tanz vergingen die Stunden viel zu schnell.

Quelle : Matthias Hofer und Christa Palfner : "Das Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein im Kreis Tilsit-Ragnit"; herausgegeben im Selbstverlag der Stadt Lütjenburg © 1971 (Text und Bild)

letzte Statistik (Stand : 1.08.1944) - Einwohner Stand :17.05.1939)
  • Kauschen ( Einw. : 241 Fläche : 492 ha )
    • nach 1945 : Kasino

      • Materningen
        • alter Namen: Matterningken

      • Tutteln

Anmerkung: Ort und Wohnplätze zugehörig zum Ksp. Breitenstein

Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
  • Karte des Deutschen Reiches 1:100 000 - Ausgabe Kreiskarten/Kreis Tilsit-Ragnit aus dem Jahre 1940 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
  • Karte des Deutschen Reiches - Topographische Karte 1:25 000 - Nr. 1198 (Breitenstein) und Nr. 1298 (Stablacken)-
    aus dem Jahre 1938 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de


Weitere Berichte zu "Kauschen"
Kindheitserinnerungen an Kauschen von Dr. Luckat
Das Gut Kauschen
Bericht des Justizrates Carl Meyhöfer über Kauschen
Bericht von Alfred P a l f n e r über Kauschen

Kirchspieldörfer



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 01.07.2003
www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Freitag, 11. Februar 2011