Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein :
Kasseln - Kaschehlen

Acht landwirtschaftliche Betriebe in einer Gesamtgroße von 185 ha bildeten das Dorf. Die Bewohner waren in der Mehrzahl Salzburger Abstammung. Vor etwa 100 Jahren gab es im Dorf eine Schmiede, und bis in sein hohes Alter hat ein Schmied Kollecker den Beruf des Huf- und Wagenschmiedes ausgeübt. Nicht nur diesem Beruf ist er nachgegangen, er betätigte sich auch als Zahnarzt. Zahnbehandlungen führte er keine durch, nur ein tadelloses Zahnziehen mit einer Spezialzange machte ihn bekannt und beliebt, auch ist kein Fall von bösen Folgen nach solcher Prozedur bekannt geworden. Die Schmiede ist später eingegangen und war der Nachfolger dieses besagten Kollecker sein Schwiegersohn Niederstrasser.

In den Jahren vor dem ersten Weltkrieg gab es in Kaschehlen 3 Kolleckers. Etwas abseits in einem Tal lag das Grundstück von Emil Kollecker, den "untersten". Dann kam der Hof von August Kollecker, dessen Vorfahren und zuletzt auch sein Vater den Schneiderberuf ausgeübt haben. Auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb hatte er eine sehr gute Pferdezucht und hielt 6 Mutterstuten. Manches gut entwickelte Fohlen stellte er der Remontekommission, und es war Gespräch im Kirchspiel, daß der bekannte ostpreußische Pferdezüchter Graf Rauter Willkamm sich mehrmals den Pferdebestand auf dem Hof angesehen hat. Zuletzt war auf dem Hof eine Familie Schlagowski. Der dritte Kollecker im Dorf war Gustav und wurde "Herr" Kollecker genannt, weil sein Besitz der größte war. Zu seinem Hof gehörte einmal eine Windmühle, die eingegangen ist.

Von Gustav Kollecker, der Junggeselle blieb, erzählt man sich manch lustige Geschichte. Eine von diesen sei hier erwähnt. Vor dem ersten Weltkrieg kam eine Landarbeiterfrau mit ihrem zwölfjährigen Sohn zu Kollecker, um ihn für die Sommermonate als Hütejunge zu vermieten. In der Lohnfrage waren die Parteien sich einig. Da stellte die besorgte Mutter noch die Frage, wie denn das Essen bei ihm wäre. Kollecker darauf ganz verwundert antwortete: "Fru, wat denke see? Eck der Herr, der Kollecker von Kaschehle, wo da Windmähl hätt, Kaffee und Floade stäts oppe Desch un Kröpfe enne Schufload."
Emil Kollecker hatte den Hof seinem Schwiegersohn Adomat übergeben. Außerdem waren noch die Bauern Gruber, Hasenbein und Busch im Dorf ansässig.


1785:
Kascheelen = Koloniedorf, 9 Feuersteilen.

1822:
Nach Prästationstabellen vom 3.4.1822 war das Dorf 26 Huben 19 Morgen 68 Ruthen groß;
An Abgaben waren zu zahlen: 46 Reichsthaler. 8/9 Pfennige, an Zinsen 6 Reichsthaler 7 Silbergroschen 8/9Pfennige

Wirkliche Eigentümer = Salzburger Colonie-Bauern:
Mathias Manleitner
Simon Steinert
früher Sebastian St.
Johann Scheibenhuber
früher Rupprecht Seh
Chriastian Kollecker
Jakob Bachler
früher Tobias B. verkauft
an Christian Kollecker
Siemon Manleitner
Johann Schloß
früher Fast u.Hundsalz
Schmied = Mathias Kollecker
3 Huben 9 Morgen 166 Ruthen
3 Huben 9 Morgen 166 Ruthen

3 Huben 9 Morgen 166 Ruthen

3 Huben 9 Morgen 166 Ruthen
3 Huben 9 Morgen 166 Ruthen


3 Huben 9 Morgen 166 Ruthen
3 Huben 9 Morgen 166 Ruthen


1839:
Kaschelen = Koloniedorf, 10 Feuerstellen, 60 evangelische Christen.

1863:
Kolonie-Dorf
Grundfläche 799 Morgen 68 Ruthen
Viehbestand: 23 Pferde, 46 Rinder, 52 Schafe, 21 Schweine.
Gebäude : 31 Bewohner : 75
Steuern:
Grundsteuer :
Klassensteuer :
Gewerbesteuer
Kreisabgaben:
Gemeindeabgaben:
Schulabgaben:




17 Thaler 14 Silbergroschen
65 Thaler 18 Silbergroschen 9 Pfennige
4 Thaler
18 Thaler 22 Silbergroschen 6 Pfennige
11 Thaler 3 Pfennige
2 Scheffel Roggen 1 Scheffel Gerste
2 Zentner 84 Pfund Heu Stroh
19 Bund 16 Pfund Stroh
2 Thaler für die Schule Gr.Sakalehnen.

1864:
Gemeindebezirk: 79 Einwohner, 497 Morgen Ackerland(haupts. Kl.6), 184 Morgen Wiese, Gesamtfläche 720 Morgen, 11 Wohngebäude, 2 gewerbliche Gebäude, 20 steuerfreie Gebäude.

1871:
Kaschelen: 11 Wohngebäude, 12 Haushalte, 78 Personen (1867 = 62 Personen) 78 Pers. preußisch und evangelisch, 7 Analphabeten.

1905(07):
Kaschelen: Gesamtfläche 185 ha, 10 Wohnhäuser , 11 Haushaltungen, 66 Personen, 66 evangelische, 63 deutschsprachig, 3 = litauisch.

1931:
Kaschelen: Gesamtfläche 185 ha, 10 Wohnhäuser, 12 Haushalte, 54 Personen, alle evangelisch.

1939:
Kasseln: 8 Haushalte, 47 Personen, 45 in Land- und Porstwirtschaft, 15 Selbständige, 16 mithelfende Familienangehörige, 16 Arbeiter. 1 Betrieb von 0,5-5 ha, 3 von 10-20 ha, 4 = 20-100 ha.

Quelle : Matthias Hofer und Christa Palfner : "Das Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein im Kreis Tilsit-Ragnit"; herausgegeben im Selbstverlag der Stadt Lütjenburg © 1971

letzte Statistik (Stand : 1.08.1944) - Einwohner Stand :17.05.1939)
  • Kasseln ( Einw. : 47 Fläche : 189ha )
    • alter Namen : Kaschehlen
    • nach 1945 : Koselevo

Anmerkung : zugehörig zum Ksp. Breitenstein

Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
  • Karte des Deutschen Reiches 1:100 000 - Ausgabe Kreiskarten/Kreis Tilsit-Ragnit aus dem Jahre 1940 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
  • Karte des Deutschen Reiches - Topographische Karte 1:25 000 - Nr. 1197 (Grünheide) -
    aus dem Jahre 1938 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de


Kirchspieldörfer



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 01.07.2003
www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Freitag, 11. Februar 2011