Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein :
Kallenfeld - Gr. Pillkallen

Das Dorf hatte 22 Besitzer, deren Namen und Hektargröße folgen:
Lechner, Hermann - 10,28 ha
Neubacher, Otto - 2,75 ha
Szieleit, Emil - 30,92 ha
Berger, Franz - 1,25 ha
Bonkat, Max - 26,25 ha
Brandt, Adolf - 9,00 ha
Forstereuter, Otto - 8,75 ha
Jettkandt, Albert - 7,18 ha
Kaprolat, Franz - 6,25 ha
Krüger, Otto - 12,00 ha
Lieder, Franz - 6,00 ha
Reinert. Friedrich - 7,50 ha
Strupat, Hermann - 14,00 ha

Nassowitz, August - 21,75 ha
Neubacher, Emil - 0,80 ha
Neubacher, Emma - 3,18 ha
Schaefer, Franz - 4,50 ha
Schwalbe, Ludwig - 2,25 ha
Fehlert, Otto - 12,50 ha
Jettkandt, Gustav - 4,25 ha
Hein, Fritz - 0,60 ha
Kundruweit, Johann - 5,75 ha
Meyer, Helmut - 11,50 ha
Nassowitz, Richard - 12,75 ha
Powitz, Gerhard - 1,66 ha


Der erste Name von Kallenfeld ist Skumbern gewesen, später hieß der Ort Gr. Pillkallen und zuletzt Kallenfeld.
Etwa 1700 gehörte Kallenfeld zu Moulinen, und die Bauern mußten Frondienste leisten und Getreide sowie Flachs dorthin abliefern. Im Norden grenzte das Dorf an den Eymenisfluß und im Süden an die Sassupp. Beide Flüsse vereinigten sich am Pillkallnisberg und flossen vereint in die Inster. Beide Ufer waren Brutstätten der Vögel. Mit steiler Böschung erhebt sich hier etwa 20 m über dem Wasserspiegel der beiden Flüßchen eine Hochfläche und auf dieser ein aufgeworfener, etwa 15 m hoher Wall. Er zieht sich von Abhang zu Abhang; dicht davor ist ein 2 m tiefer Schutzgraben. An dieser Stelle hat einst die altpreußische heidnische Sassaburg gestanden, auch nennt die Geschichte Namen wie Sassove, Sassavia oder Sassau. Die Burg ist 1276 von den Ordensrittern unter Konrad von Tierberg erobert und zerstört worden. Die Befestigungsanlage des deutschen Ritterordens wurde später im schwedisch-polnischen Krieg 1656 - 1660 zerstört. Beim Erbauen der Tilsit-Gumbinner Chaussee 1854 wurden beim tiefen Graben des Straßenteiches bei der Schleuse für den Wasserabfluß zum Gartenteich beim Gut Kauschen Rüstungen und Überreste von sechs schwedischen Reitern gefunden, was auf Kämpfe von Schweden hindeutet. In der Eymenis bei Kauschen hat man in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts außer einer langen Speerspitze eine römische Geldmünze mit dem Bild des Kaisers Marc Aurel in Größe eines Zweimarkstückes gefunden; ein Beweis, daß der Handel der römischen Kaiserzeit sich bis hierher erstreckt hat.

Im Straßenteich in Kauschen wurde bei einer Vertiefung des Grundes etwa 1840 eine von verwitterter Leinwand umgebene Rolle mit etwa 400 Silbermünzen gefunden. Die größte dieser Münzen hatte die Größe von einer deutschen Silbermark und stammte aus dem 16. Jahrhundert. Sie war mit einem Reiter und der Unterschrift "dux Lithuaniae" versehen, während die übrigen die Größe von 50-Pfennigstücken aufwiesen und mindestens aus dem 17. Jahrhundert waren. Sie trugen die Aufschrift "moneta Gedanensis",

Hermann Lechner, der lange Jahre Bürgermeister von Kallenfeld war, hat von seinen Vorfahren und Alteingesessenen erfahren, daß in ganz alter Zeit im Kallenfelder Ortsteil Kl. Pillkallen die sogenannte Skumberer Weide war. Zu beiden Seiten der Trift waren hohe Wälle, und die Knechte brachten Pferde und Kühe morgens dorthin und holten die Herde abends wieder ab. Für das ganze Dorf war ein Hirte, der die Herde bewachte. Kallenfeld war in Vorzeiten oft von Wölfen bedroht. An der Dubinner Grenze war der noch in unserer Zeit bekannte Wolfsgraben, eine Schanze, in der Wölfe gefangen wurden. In Kallenfeld war eine Gemeinschaftsbleiche und eine Flachstrockenanlage noch bis zur Vertreibung vorhanden. Der Flachs wurde im Winter mit Flegeln gedroschen und mit einer Schaufel gereinigt. Bei Roggenaust und bei Flachsbreche gab es abends ein Fest, an dem das ganze Dorf teilnahm. Bei Schnaps und Kartenspiel vergnügte man sich die ganze Nacht.

Hermann Lechner wußte zu erzählen, daß man um die Mitte des 17. Jahrhunderts Hochzeiten drei Tage gefeiert hat. Schon einige Wochen vorher fütterten alle Bauern ihre Pferde besonders gut, damit sie beim Hochzeitszug von der Kirche nach Hause 200 m vor dem Dorfeingang galppieren konnten, eine dörfliche Sitte, die sich bis zuletzt gehalten hat.

Kallenfeld hatte seit 1912 eine Schule. Der Name des letzten Lehrers Harald Stahl ist bekannt. Er ist auf der Krim gefallen.
Das Grundstück des August Nassowitz war seit 1727 im Familienbesitz.


Folgende Handwerksbetriebe befanden sich im Dorf:
Neubacher, Emil - Tischler
Neubacher, Otto - Sattler
Powitz, August - Schuhmacher
Bergner, - Zimmermann
Schwalbe, Ludwig - Maurer
Schäfer, Franz - Pantoffelmacher
Jettkandt, Gustav - Trichinenbeschauer

Am 23.10.1944 gingen auch die Bauern von Kallenfeld auf die Flucht ohne Wiederkehr.

Dieser Ort wird schon 1564/65 in den Geldrechnungen des Hauptamtes Insterburg genannt.
Dort heißt es: Pilkallenn hat 1 Zinser.

Der Generalhubenschoß von 1719 berichtet: Plicken oder Gr. Pillkallen hat 10 Huben 5 Morgen und gehört dem Hausvogt Albrecht Küderling.

Pilkalnen oder Stumbern ist 1785 ein Königliches Dorf mit 11 Feuerstellen.

Nach den Prästationstabellen von 1822 hat Pillkalnen 34 Huben 26 Morgen und 95 Ruthen.

1863 ist Gr.Pillkallen ein schatull-freies Dorf.
Grundfläche: 1218 Morgen 25 Ruthen
Viehstand: 27 Pferde, 63 Rinder, 53 Schafe, 34 Schweine.
Gebäude: 64 - Bewohner: 226
Steuern:
Grundsteuer :
Klassensteuer :
Gewerbesteuer :
Kreisabgaben:
Gemeindeabgaben:
Schulabgaben:






70 Thaler 1 Silbergroschen
112 Thaler 15 Silbergroschen
2 Thaler 20 Silbergroschen
32 Thaler 14 Silbergroschen
11 Thaler 28 Silbergroschen 11 Pfennige
2 Scheffel 141/2 Metzen Roggen
1 Scheffel 71/2 Metzen Gerste
7 Zentner 83 Pfund Heu
29 Bund 2 Pfund Stroh
13 Thaler 22 Silbergroschen 6 Pfennige
für die Schule Gr. Kauschen.

1863
Kl. Pillkallen : erbfreie Kolonie. Grundfläche: 220 Morgen Viehbestand: 4 Pferde, 9 Rinder, 10 Schafe, 9 Schweine.
Gebäude: 11
Bewohner: 193
Steuern:
Klassensteuer :
Kreisabgaben:
Schulabgaben:






108 Thaler. 3 Silbergroschen 9 Pfennige
16 Thaler 27 Silbergroschen 11 Pfennige
1 Scheffel 10 Metzen Roggen
13 Metzen Gerste
4 Zentner 32 Pfund Heu
16 Bund 2 Pfund Stroh
5 Thaler 16 Silbergroschen 5 Pfennige
für die Schule Sassupönen.

1864
Pillkallen: Einwohner 295, Ackerland 1069 Morgen (haupts.Kl.5), 62 Morgen Wiesen, Gesamtfläche 1258 Morgen. 41 Wohngebäude, 22 steuerfreie Gebäude.

1871
Gr. Pillkallen mit Chaussee-Haus: 33 Wohngebäude, 46 Haushaltungen, 204 Bewohner (1867 waren es 217 Bew.), 204 Preußen, 203 evangelisch, 1 katholisch.

Kl. Pillkallen:
9 Wohngebäude, 15 Haushaltungen, 70 Bewohner (1867=58 Bewohner)
70 Preußen. und evangelisch, 14 Analphabeten.

1905
Gr. Pillkallen: Gesamtflächeninhalt 280 ha, 32 Wohngebäude, 38 Haushaltungen, 158 Bewohner, 157 deutschsprechend, 1 deutsch und eine andere Sprache.

1931 Gr. Pillkallen: 280 ha Gesamtfläche, 27 Wohnhäuser, 34 Haushaltungen, 141 Bewohner, alle evangelisch.

1939
Kallenfeld
1943
Kallenfeld: 32 Haushaltungen, 139 Bewohner, 112 in der Land- und Forstwirtschaft tätig, 14 in Industrie und Handwerk, 3 in Handel und Verkehr. 70 Selbständige, 42 mithelfende Angehörige, 1 Beamter oder Angestellter, 17 Arbeiter.
8 Betriebe hatten 0,5-5 ha, 6 = 5-10 ha, 6 = 10-20 ha und 4 = 20-100 ha.

Quelle : Matthias Hofer und Christa Palfner : "Das Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein im Kreis Tilsit-Ragnit"; herausgegeben im Selbstverlag der Stadt Lütjenburg © 1971

letzte Statistik (Stand : 1.08.1944) - Einwohner Stand :17.05.1939)
  • Kallenfeld ( Einw. :139 Fläche :290 ha )
    • alter Namen : Gr. Pillkallen
    • nach 1945 : Mezdurec´e

Anmerkung : zugehörig zum Ksp. Breitenstein

Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
  • Karte des Deutschen Reiches 1:100 000 - Ausgabe Kreiskarten/Kreis Tilsit-Ragnit aus dem Jahre 1940 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
  • Karte des Deutschen Reiches - Topographische Karte 1:25 000 - Nr. 1298 (Stablacken) und Nr.1299 (Mallwen) -
    aus dem Jahre 1938 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de


Kirchspieldörfer



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 01.07.2003
www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Freitag, 11. Februar 2011