Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein :
Insterbrück - Gut Insterbrück - Pleinlauken

Nach der Jahrhundertwende war das Gut Pleinlauken Besitz des Emil Schneppat, dessen Eltern einen Hof in Antballen bei Mallwischken hatten und dessen Schwester Gertrud den Adolf Hofer in Groß Skaisgirren heiratete.

Emil Schneppat war Junggeselle und trank gern seinen Rotspon bei Wachsmuth. Seine Amouren waren der Schrecken der Familie. Er starb in den besten Jahren an einem vereiterten Blinddarm; dazu überwies ihn Dr. de la Bruyere nach Königsberg. Das Gut erbte seine Schwester Gertrud Hofer; Vetter Carl Hofer bewirtschaftete es, bis es am Ende des ersten Weltkrieges an den Fleischermeister Franz Stadie aus Tilsit verkauft wurde.

Über die 35m lange Insterbrücke kommend, hatte man das Hoftor vor sich und rechts davon das neuzeitliche, geräumige Gutshaus. Links lagen Speicherräume und Vorratskammern, eine Gutsbeamtenwohnung und davor einen Käsekeller. Im großen Geviert schlössen sich die Pferdeställe für Kutsch- und Arbeitspferde, Boxen und Ställe für Fohlen und Jungvieh, dann eine große, lange Hofscheune und im rechten Winkel dazu der mächtige Kuhstall und dahinter noch ein Schweinestall an. Bedachte Unterfahrten und Fächer, Schuppen und Schauer vervollständigten die bebaute Hoflage. Von der Insterbrücke aus gesehen lagen links die Wohnhäuser der Gefolgschaft und die Schmiede. Vom Gutshaus aus gingen Feldwege nach Warnen, an dem 20 ha großen Wald vorbei nach Plimballen/Grünweiden und an der Kleinbahnlinie entlang nach Kersten, wo nach Familie Kettler, Hill, Kutzwor und zuletzt die jungen Eheleute Möller wirtschafteten. Auf dem schönen, stillen Friedhof im Pleinlauker Wald liegen auch die Gräber der Familie Daume, denen das Gut früher gehört hat.

Insterbrück hatte 353,82 ha guten Mittelboden und darauf verhältnismäßig sichere und durchschnittlich gute Getreideernten, Dort wurden Remonten großgezogen, Schweine gemästet, und die 70 Milchkühe hatten eine gute Leistung. Das Gut wurde bis 1944 vom Bruder der Frau Auguste Stadie - Ohm Lentschat -bewirtschaftet, der auch Bürgermeister war.


Bild oben: Gut Pleinlauken/Insterbrück : Gutshaus
Der große Wald und das Erlenwäldchen an den Insterwiesen boten dem Rehwild einen sicheren Einstand; dort wuchsen Böcke mit starken Gehörnen.

Bild unten: Gut Pleinlauken/Insterbrück : Veranda vor Gutshaus und Speicher

Der einzige Sohn Ernst sprang als Junge gern vom hohen Brückengeländer im Kopfsprung in die Inster. Das machte ihm die Dorfjugend nicht nach. - Bei seiner Heirat kaufte Vater für ihn Adl. Lehmbruch im Kreis Elchniederung.

Franz Stadie erlag im Frühjahr 1945 in Boizenburg/Elbe einem Herzschlag und wurde dort ohne Sarg und ohne Angehörige begraben. Seine Frau holte mit Frau Maurer gerade Flüchtlingsgepäck von Görlitz nach Boizenburg nach. Frau Auguste Stadie ruht jetzt mit Ernst zusammen auf dem Nordfriedhof in Kiel.

Zu der Gemeinde Insterbrück gehörten noch 11 Bauernhöfe mit folgenden Namen und Besitzgrößen:

Dudat, Gustav - 14,29 ha
Meyer, Fritz - 9,28 ha
Schillomeit, Franz - 9,40 ha
Meyer, Meta - 10,21 ha
Schmidtke, Ernst - 9,97 ha
Thal, Paul - 20,00 ha
Uschmann, Fritz - 19,91 ha
Wiemer, Hans 10,00 ha
Albuschat, Eduard - 8,25 ha
Brost, Adolf - 6,25 ha
Doszuweit, Anna - 5,00 ha

und das nachfolgende Gut Kersten (Kerstupönen) in einer Größe von 178 ha. Das Gut Kersten hieß vorher Kerstupoenen und war zu Insterbrück (Pleinlauken) eingemeindet. Es grenzte an das Kerstuppeflüßchen, die Inster und an Insterbrück. In früheren Zeiten gehörte das Gut der Familie Schlenther-Moulinen.
Die nachfolgenden Besitzer waren Kettler, Hill, Kutzwor, Dr. Anbuhl, und ab 1.1.1938 gehörte das Gut Hans-Georg Möller, der aus Meyerhof, Krs. Labiau, kam. Kersten war Kleinbahnstation genau wie Insterbrück und günstig zur Verladung von Vieh zu den in Insterburg abgehaltenen Zuchtviehauktionen.


Hart auf der Grenze der beiden Güter Insterbrück und Kersten, am Weg neben der Kleinbahn, lag die Schule. Der Name des letzten Lehrers war Uschkurat.

Im Gutsgarten befanden sich wunderschöne alte Bäume, die zum Teil unter Naturschutz standen.

1539:
Pleinlauken hatte 7 Wirte, darunter 1 Quirrelmacher, 1 Schuster und 1 Knecht.

1540:
6 Wirte, 1 Instmann.

1542:
8 Wirte. Goldbeck spricht von einem Dorf und einem Amtsvorwerk Pleinlauken. Das Dorf gehörte damals zur Kirche Georgenburg.
1785:
Das melirt Dorf Pleinlauken - Amtsvorwerk an der Inster mit 11 Feuerstellen gehört zur Kirche Kraupischken.

1839:
Adliges Gut, L D, 4 Feuerstellen, 86 evangelische. Christen.

1863:
Pleinlauken, adl. Gut.
Grundfläche: 1454 Morgen 103 Ruthen - Viehstand: 32 Pferde, 40 Schweine, 639 Schafe, 87 Rinder
Gebäude: 14 - Bewohner: 102
Steuern:
Eink.-Steuer :
Klassensteuer :
Kreisabgaben:
Gemeindeabg.:
Schulabgaben:

45 Thaler
43 Thaler 6 Silbergroschen. 1 Pfennige
30 Thaler 18 Silbergroschen 11 Pfennige
101 Thaler 5 Silbergroschen
20 Thaler für die Schule Moulinen.

1864:
Pleinlauken, Gutsbezirk mit 102 Einwohnern, 913 Morgen Ackerland (haupts.Kl.4+5),
339 Morgen. Wiesen, 45 Morgen. Weiden und 104 Morgen Wald. Gesamtfläche 1472,73 Morgen.
Es hatte 8 Wohngebäude und 8 steuerfreie Gebäude.

1871:
Pleinlauken, Rittergut mit 107 Bewohnern (1867 = 106 Einwohner),
107 waren Preußen, 106 evangelisch, 1 Jude, 53 waren Analphabeten.
Es hatte 6 Wohngebäude und 18 Haushalte.

1905:
Pleinlauken, Gutsbezirk. Gesamtfläche 376 ha, 7 Wohnhäuser, 20 Haushaltungen, 118 Personen, deutsch und evangelisch.

1929:
Gut Pleinlauken, Inhaber: Franz Stadie.
Gesamtfläche 361 ha; 197 ha Ackerland, 103 ha Wiese, 35 ha Weide, 26 ha Forst- und Wassergebiet. Viehstand: 60 Pferde, 185 Rinder davon 75 Milchkühe -und 80 Schweine.
1931:
Pleinlauken, Landgemeinde mit Kerstupönen.
Gesamtfläche 698 ha, 19 Wohnhäuser, 44 Haushaltungen, 215 Personen, alle evangelisch.

1938:
Insterbrück
1939:
Gemeinde Insterbrück: 219 Personen, 40 Haushaltungen; 161 Pers. waren tätig in Land- und Porstwirtschaft, 30 in Handel und Handwerk, 4 in Handel und Verkehr, 24 Selbständige, 27 mithelfende Angehörige, 4 Beamte und Angestellte, 148 Arbeiter.
2 Betriebe von 0,5-5 ha, 6 von 5-10 ha, 3 von 10-20 ha, 1 von 20-100 ha und 2 von 100 ha und mehr.

Quelle : Matthias Hofer und Christa Palfner : "Das Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein im Kreis Tilsit-Ragnit"; herausgegeben im Selbstverlag der Stadt Lütjenburg © 1971 (Text und Bilder)

letzte Statistik (Stand : 1.08.1944) - Einwohner Stand :17.05.1939)
  • Insterbrück ( Einw. : 219 - Fläche : 698 ha )
    • alter Namen : Pleinlauken ( bis 16.07.1938)

    • Kersten
      • alter Namen: Kerstupönen
      • seit 1945 : Rjabinovka

Anmerkung :
1) Ort und Wohnplatz zugehörig zum Ksp. Breitenstein
2) das Dorf existiert nicht mehr

Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
  • Karte des Deutschen Reiches 1:100 000 - Ausgabe Kreiskarten/Kreis Tilsit-Ragnit aus dem Jahre 1940 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
  • Karte des Deutschen Reiches - Topographische Karte 1:25 000 - Nr. 1198 (Breitenstein) -
    aus dem Jahre 1938 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de


Kirchspieldörfer



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 01.07.2003
www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Freitag, 11. Februar 2011