Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein :
Güldengrund - Girrehnen

Südöstlich des Insterflusses lag der Ort Girrehnen/Güldengrund. Von der sogenannten "Kreuzchaussee", Steinstraße Gumbinnen - Tilsit, führte die feste Straße durch den Ort und weiter nach dem Bahnhof Neusiedel (Naujeningken). Güldengrund war ein Bauerndorf, welches aber vier gewerbliche Betriebe mit Landwirtschaft hatte, als da waren die Windmühle Bensing, die Molkerei Gefeiler, vormals Heise, der handwerkliche Betrieb von Bauunternehmer Ernst Brandstätter und das Viehhandelsgeschäft Walter Bauer.

Güldengrund hatte durchweg milden Mittelboden; die meisten Bauern besaßen Insterwiesen. Es wohnten, gerechnet von der Kreuzchaussee, rechtsseitig die Besitzer Bierkandt, Franz Steppat, Otto Brandstätter, Otto Ambrassat, Bernhard Bensing, Otto Wildauer, Daniel Gerwenat, Hellwig, August Gefeller, Emil Lemhöfer und Walter Gerwinat.


Bild oben: Haus Bauer

Dann war die Schule, und ihr gegenüber war der Hof von Wilhelm Gerwinat. Auf der anderen Dorfseite lagen die Anwesen von Arthur Henning, Walter Bauer, Gustav Naubereit, Geschwister Kurrat, Adolf Wawrzynski und Ernst Brandstätter. Zu Güldengrund Abbau gehörten die Bauern Hoffmann, Bernecker und Wittke, vormals Korth und Kielhorn.

Über die Betriebe sei folgendes gesagt: Der größte Hof im Dorf war der von Walter Bauer, der ein großes Viehgeschäft betrieb und in dem an der Mühle Bensing gelegenen Weidegarten eine Viehherde hatte, die den Sommer über dort weidete, bis sie zu den Viehmärkten nach Berlin, Leipzig und Zwickau verladen wurde. Es war ein wunderschöner Anblick, das schwarzbunte Vieh und im Hintergrund die Mühle zu sehen.

Ein Hof, der schon seit Generationen in ein und derselben Hand war, war der von Walter Gerwinat. Außer seinen 51 ha bewirtschaftete er das Dienstland, das zur Dorfschule gehörte. Walter Gerwinat war Hegeringsleiter und fehlte auf keiner Treibjagd.
Der ihm gegenüber wohnende Daniel Gerwinat hatte viele Bienenvölker und galt als großer Imker. Als Amtsvorsteher amtierte viele Jahre bis zur Vertreibung Emil Lemhöfer.

Der Bauunternehmer Ernst Brandstätter war seit 1908 selbständig und übte noch das Amt -des Feuerkommissars aus. Er hatte das Grundstück durch Heirat mit L.Krüger, die es von Onkel Hutecker geerbt hatte, erworben. Frau Brandstätters Onkel Adolf Meß, allgemein Ohm Meß genannt, war Schmied. Er fertigte Grabkreuze, von denen viele in recht kunstvoller Arbeit, mit seinen Initialen versehen, auf dem Güldengrunder Friedhof zu finden waren. Ernst Brandstätter hatte ein großes Bauunternehmen, war über die Kirchspielgrenze bekannt und als biederer, ordentlicher Meister geschätzt. Alle Zeichnungen fertigte er selber an, heute beschäftigt man damit Architekten,
Der Betrieb Gefeller, vormals Molkerei Heise, war 48 ha groß. Er wurde gut bewirtschaftet und die Molkerei geschlossen, als der Anschluß aller Privatmeiereien an die Molkereigenossenschaft Breitenstein vollzogen wurde.

Bild unten: Molkerei Gefeller

Von der Schule wäre zu sagen, dass sie seit .dem Jahre 1734 bestand. Das Schulgebäude wurde um die Jahrhundertwende 1830 erbaut. Die Schule war einklassig. Die Lehrerwohnung bestand aus 3 heizbaren Zimmern und der Küche. Die Schule wurde auch von den Kindern der Deputantenfamilien vom Gut Meschenhof besucht. Die Schülerzahl hat nach Angaben des letzten Lehrers Eckert im Durchschnitt 30 Kinder betragen. Der Vater unseres letzten Pfarrers Dr. Moderegger war um das Jahr 1900 als Lehrer an der Güldengrunder Schule tätig, nach ihm kamen die Lehrer Schneppat, Teichgräber und Eckert.

Die Gastwirtschaft und das kleine Kolonialwarengeschäft hatte Schlagowski von Arthur Henning gepachtet.


Die Besitzer und Größe der Grundstücke der Gemeinde Güldengrund :
Ambrassat.Otto 1,00 ha
Hoffmann,Hans 32,19 ha
Bensing,Bernhard 16,00 ha
Lemhöfer.Emil 16,48 ha
Bernecker,Gustav 21,62 ha
John.Helene 19,00 ha
Bierkandt.Karl 2,75 ha
Wittke,Erich 32,00 ha
Brandstätter,Ernst 7,24 ha
Bauer,Walter 60,00 ha
Gefeller,August
Brandstätter,0. 10,98 ha
Gerwinat,Daniel 10,00 ha
John,Willy 13,00 ha
Gerwinat.Emilie 4,25 ha
Naubereit.Gustav 3,00 ha
Gerwinat,Walter 51,00ha
Steppat,Franz 9,00ha
Henning,Margarete 1,33 ha


Girrehnen ist eine Siedlung in der ehemaligen Wildnis östlich Insterburg. Im Zinsregister von 1539 hatte es 27 (Land-) Wirte, 5 Bender (Teilhaber), 1 Knecht, 2 Loßgenger (freie Landarbeiter), 2 tilsische (aus Tilsit) Schneider. Dazu gehören aber die erst 1542 selbständig gewordenen Orte Raudonatschen mit 13 und Schupinnen mit 3 Wirten. Um 1785 nennt es Goldbeck ein Königliches Bauerndorf an der Inster mit 22 Feuerstellen, im Amtsbezirk Moulinen, Kirchspiel Kraupischken.

1822
hatte Girrehnen mit Meschken 62 Hufen 18 Morgen 49 Ruten; Bewohner waren:
1. Erbschenken: Michael Scheer mit 1 Hufe 7 Morgen 53 Ruten, früher Mathes Schweiger
2. Schmiede: Michel Metz (?), früher Mathes Schmidt mit 116 Ruthen
3. Freigewordene:
Ferdinand Bartel mit 2 Hufen 1 Morgen 52 Ruten
Johann Heise mit 2 Hufen
Johann Hasenbein mit mit 2 Hufen
Hans Dodzumeit mit 1 Hufen und 116 Ruten
Christoph Plauschinat mit 2 Hufen 1 Morgen und 52 Ruten
Christoph Schützler mit 2 Hufen 1 Morgen und 52 Ruten
Michel Lakatis mit 2 Hufen 1 Morgen und 52 Ruten
George Gerwinatis mit 2 Hufen 1 Morgen und 52 Ruten
August Gerwinatis mit 2 Hufen 1 Morgen und 52 Ruten
George Pludatis mit 2 Hufen 1 Morgen und 52 Ruten
Gottlieb Braemer mit 2 Hufen 1 Morgen und 52 Ruten
Johann Heise mit 2 Hufen 1 Morgen und 52 Ruten
Erdmann Preuß mit 2 Hufen 1 Morgen und 52 Ruten
Wilhelm Aisdorf mit 2 Hufen 1 Morgen und 52 Ruten
David Banatis mit 2 Hufen 1 Morgen und 52 Ruten
Gottlieb Grätke mit 1 Morgen
Gottlieb Jankuhn mit 1 Morgen
Johann Zöllner mit 1 Hufen 25 Morgen und 29 Ruten mit 1 Morgen
Gottlieb Meß mit 6 Morgen und 23 Ruten

Amtliche Angaben von:

1838:
Bauerndorf, 23 Feuerstellen, 166 evangelische Bewohner, Sprache deutsch und litauisch.

1863:
Grundfläche: 1878 Morgen 49 Ruten. - Viehbestand: 80 Pferde, 203 Rinder, 185 Schafe, 90 Schweine. - Gebäude: 75 Bewohner: 230
Steuern:
Grundsteuer:
Klassensteuer:
Gewerbesteuer:
Gemeindeabgaben:
Kreisabgaben:
Schulabgaben:




146 Thaler 17 Silbergroschen
221 Thaler 26 Sgr - 6 Pfennige
24 Thaler - Sgr - Pfennige
36 Thaler 4 Sgr - 5 Pfennige
57 Thaler 23 Sgr -10 Pfennige
4 Scheffel 12 Hetzen Roggen
2 Scheffel 6 Hetzen Gerste
12 Zentner 60 Pfund Heu - 48 Bund Stroh
für die Schule Girrehnen.

1864:
265 Einwohner, 1903 Morgen, 22 Wohngebäude, 4 gewerbliche Gebäude, 52 steuerfreie Gebäude, 1232 Morgen Acker (meist Klasse 4), 530 Morgen Wiesen, 39 Morgen Weiden,

1871:
28 Wohngebäude, 276 Einwohner, davon 1 katholisch, 17 Analphabeten, 178 konnten lesen und schreiben (über 10 J.).

1905:
286,9 ha, 31 Wohnhäuser, 280 Einwohner, davon 2 kath., 266 sprechen deutsch, 14 litauisch.
1925:
792,9 ha (mit Meschken), 300 Einw., davon 13 kath..

1939:
265 Einwohner, darunter 34 selbständig, 35 mithelfende Familienangehörige, 5 Beamte/ Angestellte, 168 Arbeiter; von 21 landwirtschaftlichen Betrieben 7 mit o,5-5 ha, 2 mit 5-10 ha, 5 mit 10-20 ha, 6 mit 20-100 ha, 1 über 100 ha.

Quelle : Matthias Hofer und Christa Palfner : "Das Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein im Kreis Tilsit-Ragnit"; herausgegeben im Selbstverlag der Stadt Lütjenburg © 1971 (Text und Bilder)

letzte Statistik (Stand : 1.08.1944 bzw. Einwohner 17.05.1939)
  • Güldengrund ( Einw. : 265 Fläche : 793 ha )
    • alter Namen : Girrehnen ( bis 16.07.1938)
    • nach 1945 : Grivino


    • Meschenhof
      • alter Namen: Meschken ( bis 16.07.1938)
      • nach 1945 : Malinovka

Anmerkung: Ort und Wohnplatz zugehörig zu ev. Ksp. Breitenstein

Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
  • Karte des Deutschen Reiches 1:100 000 - Ausgabe Kreiskarten/Kreis Tilsit-Ragnit aus dem Jahre 1940 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
  • Karte des Deutschen Reiches - Topographische Karte 1:25 000 - Nr. 1198 (Breitenstein) -
    aus dem Jahre 1938 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de


Kirchspieldörfer



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 01.07.2003
www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Freitag, 11. Februar 2011