Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein :
Groß Kummen ( Gr. Kummeln)

Über diese Gemeinde berichtet der letzte Amtsvorsteher des Amtsbezirks Warnen, Fritz Abrolat, folgendes:

Beim Bürgermeisteramt wurden Urkunden aufbewahrt, aus denen zu ersehen war, daß die Gemeinde zum Gut Kaukern gehörte und die Einwohner von Gr. Kummen verpflichtet waren, dort Scharwerksdienste zu leisten. Herrin vom Gut Kaukern war Frau Lucretia von Pötzen, eine sehr gute und fromme Dame. Ihr tat es leid, daß die Dorfbewohner von Gr. Kummen den 8 km weiten Weg zur Arbeit hatten. Es wurde ein Vertrag gemacht, wonach die Gemeinde Gr. Kummen für die Kirche nach Kraupischken eine bestimmte Zahl Fuhrdienste zu leisten hatte und die Arbeit auf dem Gut Kaukern fortfiel. Für die Dorfbewohner bedeutete dieses eine große Erleichterung. Als die Scharwerkspflicht abgeschafft wurde, waren andere Dörfer von dieser Pflicht entbunden, nur Gr. Kummen mußte jahraus, jahrein den Fuhrdienst weiter aufrechterhalten. Später wurden die Leistungen in Geld umgewandelt, und zur Zeit des letzten Pfarrers, Dr. Moderegger, wurden die Verpflichtungen gestrichen.


Bild :Wohnhaus Abrolat

Zur Zeit der Vertreibung wohnten in der Gemeinde 18 Landwirte. Aus Urkunden aus dem Jahre 1775 war zu entnehmen, daß die ältesten erwähnten Bauern die Familien Giedigkeitis (Giedigkeit), später Staff und Abrolatis (Abrolat) waren. Von früheren Jahren waren keine Aufzeichnungen vorhanden.

Nachfolgend die Namen der Bauern und deren Hektargröße:

Abrolat, Fritz - 75,42 ha
Behrend, Anna - 1,25 ha
Hoffmann, Otto - 14,74 ha
Kaul, Alfred - 9,63 ha
Laszinski, Gustav - 4,50 ha
Leidig, Hermann - 9,00 ha
Reszat, Michael - 8,25 ha
Seitz, Gustav - 4,50 ha
Simmat, Albert - 28,82 ha
Brämer, Wilhelm - 10,00 ha
Brandt, Friedrich - 9,00 ha
Legat, Emma - 9,00 ha
Lenuweit, Wilhelm - 20,00 ha
Papke, Johann - 26,00 ha
Staff, Gustav - 32,00 ha
Strauß, Franz - 8,00 ha
Strupat, Adolf - 7,00 ha
Schimkat, Heinrich - 12,00 ha


Bürgermeister der Gemeinde war Johann Papke.

Die Hauptbeschäftigung der Bauern war die Landwirtschaft. Ein guter Viehbestand und viele edle ostpreußische Trakehner Pferde waren auf den Höfen vorhanden. Im Jahre 1923 wurde die Gemeinde elektrifiziert und war der Chausseebau 1927 für die Bewirtschaftung der Betriebe eine große Erleichterung. Als einzigen Gewerbebetrieb gab es die Mahl- und Schneidemühle von Erich Brämer.
Die Kinder mußten den Schulweg zu der einklassigen Volksschule nach Grünweiden machen.

Der 23.10.1944 war für die Gemeinde der Tag der Vertreibung. In Wusen, Kreis. Braunsberg, einquartiert, blieben die Gemeindeglieder bis zum Januar 1945.

Quelle : Matthias Hofer und Christa Palfner : "Das Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein im Kreis Tilsit-Ragnit"; herausgegeben im Selbstverlag der Stadt Lütjenburg © 1971 (Text und Bild)

letzte Statistik (Stand : 1.08.1944) - Einwohner Stand :17.05.1939)
  • Groß Kummen ( Einw. :98 Fläche :271 ha )
    • alter Namen :Gr. Kummeln ( bis 16.07.1938)
      (Gr. und Kl. Kummeln bis 1839 als Kummeln)
    • nach 1945 : Vozvysenka

Anmerkung:
1) zugehörig zu ev. Ksp. Breitenstein
2) weitere Daten >> Kleinkummen

Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
  • Karte des Deutschen Reiches 1:100 000 - Ausgabe Kreiskarten/Kreis Tilsit-Ragnit aus dem Jahre 1940 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
  • Karte des Deutschen Reiches - Topographische Karte 1:25 000 - Nr. 1298 (Stablacken) -
    aus dem Jahre 1938 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de


Kirchspieldörfer



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 01.07.2003
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letzte Änderung dieser Seite : Freitag, 11. Februar 2011