Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein :
Grautschen - Graudszen

Das Gut Graudszen in der Größe von ca. 200 ha war alter Familienbesitz der Landwirte Otto. Im Besitz der Tochter des letzten Otto, Frau Mieze Kopp, befindet sich ein Taufschein ihres Großvaters, der 1832 in Graudszen geboren ist, auch weiß Frau Kopp, daß ihre Urgroßeltern und deren Eltern auf dem Friedhof beerdigt lagen. Danach zu urteilen, muß das Gut mindestens 200 Jahre im Ottoschen Besitz gewesen sein.

Um 1850 gehörte zu dem Gut eine Wind-, Walk- und Wassermühle, die am Almonisbach lag. Sie brannte ab, wurde aber nicht mehr instandgesetzt. Mühlsteine lagen noch bis zu den letzten Jahren da und erinnerten an diese Mühle. Frau Kopp weiß sich zu erinnern, daß sie aus Gesprächen ihrer Eltern gehört hat, dass Graudszen vor den Ottos einem von Schimmelpfennig gehört haben soll. Es dürfte der damalige Besitzer des Gutes Breitenstein, Christian Friedrich von Schimmelpfennig, gewesen sein.

Franz Otto, der letzte Besitzer dieses Namens, hat während der Zeit seiner Wirtschaftsführung etwa 460 Morgen zugekauft. Ein Grundstück davon wurde später als Vorwerk behandelt. Haupterwerbszweig auf dem Gut waren Getreidewirtschaft und Viehzucht Otto gehörte bereits seit 1911 dem Milchviehkontrollverband Insterburg, dem Vorläufer des Herdbuchvereins, an. Er war auch lange Jahre Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsvereins Kraupischken, Vorstand der Raiffeisen sowie der An- und Verkaufsgenossenschaft und nicht zuletzt im Kirchenrat der Kraupischker Kirche. Dem Kreistag des damaligen Kreises Ragnit gehörte Otto auch an. Von einer Kreistagssitzung am 10.4.1919 zurückkommend, ereilte ihn der Tod unterwegs durch Herzschlag.

Lange Jahre war auch der Besitzer des Gutes Gemeindeortvorsteher von Graudszen und Juckstein. Nach dem Tode von Otto hatte Frau Otto einen sehr tüchtigen Verwalter mit Namen Suttmann.

1930 wurde Graudszen an Lücke verkauft, der aber nur wenige Jahre Eigentümer des Gutes war. Dann kaufte das Hauptgut Huss und das Vorwerk Schmoll, die beide mit gutem Erfolg die Betriebe bis zur Vertreibung bewirtschaftet haben.

Schule für den Ort war Insterhöh. Bekannt sind die Namen der Lehrkräfte Eckert, Panteleit und Hoffmann. Das neben Graudszen gelegene Grundstück Juckstein gehörte Kischkat und war alter Familienbesitz.


Herr Fritz Enseleit schreibt über Grautschen:

Im Jahre 1936 wurde die kleine Gemeinde Grautschen zu Insterhöh (früher Kraupischkehmen) eingemeindet. Gesamtgröße 2500 Morgen. Grautschen war landschaftlich sehr schön gelegen, am Almonisbach. Zur Zeit unserer Vertreibung im Jahre 1944 bestand Grautschen nur noch aus 2 Besitzungen: Alfred Huhs, 510 pr. Morgen, Familie Schmoll, 170 pr. Morgen.

Grautschen war nach der Separation 1830-38 288 pr. Morgen groß, Besitzer war seinerzeit ein alter preuß. Major Schimmelpfennig von der Oye. Dieser alte preußische Major hat viele militärische Übungen am Kaninchenberg an der Inster abgehalten, z.T. .T. mit gedienten Soldaten, z.T. mit ungedienten Leuten beiderseits der Inster.
Später wurde sein Hof zwangsversteigert. Käufer war Mühlenbesitzer Otto, Die Familie Otto hatte für damalige Begriffe einen modernen Mühlenbetrieb; Wassermühle an der Almonis, auf der anderen Seite des Baches noch eine Windmühle, außerdem eine Krugstube und eine Walkmühle für Bearbeitung der Wandkleidung. Die Familie Otto hatte in 3 Generationen über 400 Morgen Land von der damaligen Gemeinde Kraupischken zugekauft.

Der letzte Besitzer, Franz Otto, war ein politisch tätiger Mann (konservativ). Er ist im April 1919 nach einer Kreisausschußsitzung in Ragnit auf der Rückfahrt an Herzschlag verstorben. Die Besitzungen der Ottos wurden am 15.Nov.1930 zwangsversteigert. Erwerber: Treuhandsteile Königsberg,

Nach ca. 21/2 Jahren Dipl. Ingenieur Lücke für ca. 3 Jahre. Danach noch Huß und Schmoll.
Abschließend gesagt, Insterhöh (früher Kraupischkehmen) mit Grautschen war ein richtiges Bauerndorf, das aus eigener Kraft wirtschaften konnte, dem Staat pünktlich die Steuern zahlte, der Wehrmacht immer gute Soldaten und auch gute Pferde lieferte.


1785:
Graudachen - Adl. Dorf, Wasser und Windmühle, 6 Feuerstellen, Gerichtsobrigkeit Justiz-Direktor von Aweiden.

1822:
Nach Prästationstabellen - Freibauerndorf Getkaudten.

Eigentümer-Freigewordene - Immediat-Einsassens
Gottlieb Thien
Christoph Tallaszius

2 Huben 10 Morgen 174 Ruthen
2 Huben 10 Morgen 174 Ruthen

Erbmühlenpächter;
Christian Scherning


3 Morgen 120 Ruthen

Freigewordene
Heinrich Schützler
abgetrennt von Johann Thierbach
früher Christoph Rausch
Johann Nollmeyer
jetzt Samuel Daudert u. Johann Will
David Schulas
Christoph Gettkandt
Erdmann Ruddigkeit


2 Huben 11 Morgen 58 Ruthen

6 Morgen
2 Huben 11 Morgen 58 Ruthen

2 Huben 11 Morgen 58 Ruthen
2 Huben 11 Morgen 58 Ruthen
2 Huben 11 Morgen 58 Ruthen

1839:
Graudszen = adl. Dorf und Wassermühle zu Breitenstein, Sprache deutsch und litauisch,
6 Feuerstellen, 51 Bewohner.

1863:
Graudszen = adl. Dorf.
Grundfläche: 204 Morgen Viehstand: 18 Pferde, 37 Rinder, 34 Schafe, 13 Schweine
Gebäude: 10 - Bewohner: 29
Steuern:
Grundsteuer :
Klassensteuer :
Gewerbesteuer:
Kreisabgabe:
Gemeinde:
Schulabgabe:



7 Thaler 23 Silbergroschen 10 Pfennige
39 Thaler 14 Silbergroschen 4 Pfennige
8 Thaler
10 Thaler 2 Silbergroschen 6 Pfennige
keine
1 Scheffel 3 1/5 Metzen Roggen
3 Zentner 22 Pfund Heu - 12 Bund Stroh
2 Thaler 2 Silbergroschen 2 Pfennige
für die Schule Kraupischkehmen

1864:
Graudszen: 36 Einwohner, 180 Morgen Ackerland (haupts. Kl. 4+5), Gesamtfläche 215 Morgen, 3 Wohngebäude, 2 gewerbliche Gebäude, 6 steuerfreie Gebäude.

1871:
3 Wohngebäude, 5 Haushalte, 36 Bewohner, (1867 = 44 Bewohner), 36 evangelische. und preußisch, 12 Analphabeten.

1907(05):
Gesamtfläche 72,9 ha, 4 Wohnhäuser, 11 Haushalte, 59 Personen, 58 evangelisch, deutschsprachig, 1 evangelisch litauischsprachig
1929:
Adl. Graudszen, Besitzer Frau Lina Otto, Verwalter: Kopp.
Gesamtfläche 197 ha, 23 Pferde, 100 Rinder (50 Milchkühe),
27 Schweine; Herdbuchvieh.

1931 :
Grautschen bei Insterhöh (früher: Kraupischkehmen )eingemeindet.

Quelle : Matthias Hofer und Christa Palfner : "Das Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein im Kreis Tilsit-Ragnit"; herausgegeben im Selbstverlag der Stadt Lütjenburg © 1971

letzte Statistik (Stand : 1.08.1944) - Einwohner Stand :17.05.1939)
  • Insterhöh ( Einw. :182 Fläche : 616 ha )
    • alter Namen : Kraupischkehmen.

    • Grautschen (Name seit 16.07.1938; zu Insterhöhe
      seit 17.09.1936)
      • alter Namen: Graudszen (Graudschen)
        ( bis 1822 Graudachen; bis 1839 Getkaudten)

Anmerkung:
1) Ort und Wohnplatz zugehörig zum Ksp. Breitenstein
2) Die Dörfer existieren nicht mehr

Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
  • Karte des Deutschen Reiches 1:100 000 - Ausgabe Kreiskarten/Kreis Tilsit-Ragnit aus dem Jahre 1940 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
  • Karte des Deutschen Reiches - Topographische Karte 1:25 000 - Nr. 1198 (Breitenstein) -
    aus dem Jahre 1938 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de


Kirchspieldörfer



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 01.07.2003
www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Freitag, 11. Februar 2011