..erstes Wiedersehen nach 46 Jahren
Molkerei Breitenstein,
von Eva Gülzau, geb. Rohde

Im Mai 1991 nutzte ich mit meinem Mann die Möglichkeit, das nördliche Ostpreußen zu besuchen. Von Königsberg fuhren wir mit der Taxe über Insterburg, Georgenburg, Seßlaken, Moulinen bis Breitenstein. Nach 2 1/2 Stunden Fahrt können wir an der Abzweigung nach Schillen schon den großen Schornstein unserer Molkerei, "geschmückt" mit einer roten Fahne und einem Storchennest, sehen.

An beiden Seiten der Auffahrt zur Molkerei stehen jetzt zwei neue lange Bauten, die als Werkstätten für Landmaschinen der Sowchose dienen. Unser Wohnhaus, das bis 1988 noch gestanden hat, mußte diesen Gebäuden weichen. Die Molkerei ist jetzt Lagerhalle für Werkzeuge und Ersatzteile.

Unsere Bitte, das Gebäude betreten zu dürfen, wurde von einer Russin abgelehnt, da die Unfallgefahr zu groß sei. Die große Tür, früher ein Fenster, war nur mit einem Vorhängeschloß gesichert. Wir konnten die Tür etwas auseinanderbiegen und ins Innere der ehemaligen Käserei, dem Arbeitsbereich unseres Käsers Albert Poek, sehen. Der große Raum, in dem früher 12 große Kessel ä 1000 Liter zur Käseherstellung standen, war vollkommen leer, die drei großen Fenster mit Blech und Pappe vernagelt. Die Rampe, auf der einst die Milch angeliefert wurde, war ein Schrottplatz, ähnlich der ganze Hof, ölverschmiert oder mit Unkraut bewachsen.

Auf der anderen Seite der Molkerei sahen wir durch herausgerissene Fenster in die ehemalige Butterei, wo früher unser Buttermeier Fritz Glaser wirkte. Ein völlig verdreckter Raum, in dem noch die alten, früher weißen Fliesen an den Wänden klebten. Unseren Rundgang beendeten wir am großen Schornstein, der wohl auch die längste Zeit gestanden hat. Er bröckelt und bröckelt.... Früher hat er doch so schön gequalmt, wenn unser Heizer Otto Kösling die Molkerei "unter Dampf" setzte.

Das Haus in dem unsere jungen Leute wohnten, die in der Molkerei arbeiteten, steht auch nicht mehr. Wir warfen noch einmal einen Blick von Preußen's Berg auf den Hof und die Molkerei, ein trauriger Anblick, der unseren Eltern Gott sei Dank erspart geblieben ist. Trotz allem werden wir Breitenstein wieder besuchen, um die Kontakte mit den jetzigen Bewohnern zu erweitern.

Autor: © 1991 Eva Gülzau, geb. Rohde
Quelle: Heimatrundbrief "Land an der Memel" Nr. 49/1991

Breitenstein



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 24.01.2006
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letzte Änderung dieser Seite : Donnerstag, 3. Februar 2011