Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein :
Das Gut Adlig Breitenstein

Zu dem Gut Adlig Breitenstein in Größe von 335 ha, das unserem Kirchdorf den letzten Namen gegeben, führte eine Kastanienallee in östlicher Richtung. Im 16.Jahrhundert wird von Breitenstein als von einem Rittersitz und dann von einer fürstlichen Jagdbude gesprochen. Der Hochmeister und nach 1525 der Herzog sollen nach der Jagd auf dem Breitenstein, dem großen Block, der an dem Auffahrtsweg lag, ihre Jagdtafel gehalten haben.

1577 wird als Besitzer des Gutes Asmus Baumgart genannt, und als nächster ist J.T. von Ragautzki bekannt. Im Jahre 1700 verkaufte dieser das Gut für den Preis von 14.000 Florin an Friedrich Wilhelm von Manstein. Dieser Gutsherr hat den Besitz 15 Jahre gehabt und ihn 1715 für den Preis von 18.000 Gulden an den Kapitän Dietrich von Hülsen veräußert. Nur kurze Zeit war er in dem Besitz dieses Herrn von Hülsen. Nach, dem General-Hubenschoß-Protokoll von 1719 gehört Breitenstein, ein kölmisches Gut, dem Friedrich Grünhagen, der gemäß Privilegien einen Schoß von acht Talern für vier Hufen und sieben Morgen zu bezahlen hat.

Am 11.12.1721 kaufte das Gut Generalmajor von Winterfeld, der spätere Generalfeldmarschall. Sein Besitz wurde "für adlig deklariert" und genoß seither die Privilegien eines Rittergutes, d.h. der Besitzer durfte innerhalb der Grenzen des Gutes die Jagd und die Fischerei ausüben. Er hatte die Berechtigung, Branntwein zu brennen und Bier zu brauen und durfte beides ohne Abgaben ausschenken. Er konnte eine freie Hökerei, zwei Mehlgänge und eine Ölmühle betreiben.
Das Reiterregiment von Winterfeld überwinterte in Breitenstein und beschäftigte sich auch mit der Ausgrabung der beiden im Park gelegenen Hünengräber, in denen Waffen, Grabschmuck und Beigaben gefunden wurden.
Georg Wilhelm von Manstein pachtete neun Jahre später, also 1730, Breitenstein. Der 1729 geborene Benjamin Philipp Schimmelpfennig, Generalpächter der Ämter Laukischken und Moulinen, nannte sich Erbherr der Breitensteinschen Güter (Breitenstein, Friedrichswalde und Juckstein), 1761 verkauft er den Breitensteinschen Krug an Meister Hillbrecht. Im Jahr 1779 oder 1789 wird diese Familie geadelt, und der aus Steinwalde stammende Amtsmann Schimmelpfennig nennt sich nun Benjamin Philipp Schimmelpfennig von der Oye.


Gruppe am Breiten Stein

Im Jahr 1785 nennt Goldbeck Breitenstein ein adliges Gut mit einer Ölmühle an der Inster und 13 Feuerstellen.

Christian Friedrich Schimmelpfennig von der Oye war der erste Direktor der "Ostpreußischen Generallandschaft", die ihre Räume in der Königsberger Landhofmeisterstraße hatte, als der General York dort die Ostpreußischen Stände gegen Napoleon I, aufrief. In dem bekannten Gemälde von Brausewetter sieht er dem General über die linke Schulter.

Im Grundbuch von Ragnit waren die ersten Pfandbriefe dieses Geldinstituts für Breitenstein eingetragen; denn Christian Friedrich Schimmelpfennig von der Oye belieh Breitenstein mit 38.000 Talern. Im Unglücklichen Krieg, als Napoleon mit seiner Armee durch Ostpreußen nach Rußland zog, fanden französische Soldaten in Breitenstein ihre letzte Ruhestätte.

Die Prästationstabellen vom 3.4.1822 nennen laut Erbverschreibung vom 8.2.1771 Landschaftsrat Schimmelpfennig von der Oye - Komm. Präsident als Besitzer von Breitenstein. Er ist berechtigt Krug-, Schmiede-, Fischerei-, Zins- und Zapfgeld zu erheben und braucht nur.8 Reichstaler zu bezahlen.


Gutshaus Adl. Breitenstein (1938), links Meierei, dahinter Kuhstall

Der Pächter (seit 1795) und seit 1812 Besitzer des Gutes Moulinen, Julius Schlenther, pachtet 1837 Breitenstein. Nach der topographisch-statistischen Übersicht des Regierungsbezirkes Gumbinnen von 1839 ist die Sprache der Bewohner des adligen Gutes deutsch und litauisch. Es hat 121 evangelische Bewohner.


Für 1863 findet man in den statistischen Mitteilungen von Kühnast über Litauen und Masuren folgende Angaben:
Adlig Gut; Grundfläche 2726 Morgen; Viehstand 75 Pferde, 162 Rinder, 1164 Schafe, 115 Schweine. 36 Gebäude. 238 Bewohner.
Steuern:
Grundsteuer : ..................135 Thaler, 10 Silbergroschen, 2 Pfennig,
Einkommensteuer: .........60 Thaler
Klassensteuer: ...............95 Thaler
Kreisabgaben: ...............54 Thaler. 23 Silbergroschen 10 Pfennige
Gemeindeabgaben: keine
Schulabgaben: .............5 Scheffel 7 Metzen Roggen, 2 Scheffel 12 Metzen .Gerste,
......................................10 Zentner Heu, 1 Schock 6 Bunde Stroh,
........................................6 Thaler 20 Silbergroschen , 11/12 Klafter Holz
........................................für die Schule Kraupischken.

1871 hat das Rittergut Breitenstein mit Vorwerk Friedrichswalde 13 Wohngebäude, 41 Haushaltungen, 214 Einwohner, alle evangelisch; 1884 kommt Gut Breitenstein in den Besitz von Rudatis und 1897 läßt Besitzer Karl Meyhöfer Gut Breitenstein neu taxen. Im Jahre 1906 kaufte der aus Skaisgirren kommende Gustav Hofer, der Vater des letzten Breitensteiner Besitzers Andreas Matthias Hofer, das Gut Breitenstein .- Gustav Hofer verstarb 1915 im Lazarett in Insterburg, und Breitenstein stand nun im Eigentum einer Erbengemeinschaft, bestehend aus Mutter Elisabeth Hofer, geb. Willimzick, und dem Sohn Andreas Matthias Hofer zu gleichen Teilen. Frau Hofer verheiratete sich mit Otto Kalweit der bis 1934 das Gut verwaltete und dann als Offizier in das Heer eintrat. Frau Kaiweit bewirtschaftete noch bis 1938 das Gut, zusammen mit ihrem Sohn, dann wurde die Erbengemeinschaft aufgelöst und Andreas Matthias alleiniger Eigentümer.

Das Gut Breitenstein zählte zu den anerkannt besten des Kirchspiels. Es hatte eine Gesamtfläche von 332 ha, guten Mittelboden, ertragreiche Insterwiesen, eine große Herdbuchviehherde, Pferdezucht und besaß für die Wirtschaft alle damals neuzeitlichen Maschinen. Inspektor war Herbert von Glinski, gefallen 1942.

Die Deputantenfamilien waren:
Familie Melkermeister Heinrich Gehlhaar; (mit 4 Gehilfen)
Familie Wilhelm Broßeit, Jungvieh, Fischerei und Bindemäher
Familie August Annighöfer, Kämmerer
Familie Gustav Gropp, Treckerfahrer
Familie Gustav Steppat, Treckerfahrer, Ehefrau Anna, Gärtnerin
Familie Adolf Juckel, Stellmacher
Familie Emil Milbrecht, 30 Jahre betriebszugehörig, wie auch
Familie August Pieck, Gespannführer Broßeit
Familie Karl Baltrusch, Gespannführer
Familie Julius Wiegratz, Gespannführer
Familie Johann Broschehl, Gespannführer
Familie Emil Schlag, Gespannführer
Familie Arthur Schlag, Kutscher (6 Trakehner Zuchtstuten)

Grundlage des landwirtschaftlichen Betriebes war die schon genannte starke Viehhaltung mit 80 - 100 Milchkühen und einer jährlichen Erzeugung von 380 000 kg Milch. Auf den Insterburger Herdbuch-auktionen wurden jährlich bis 10 Zuchtbullen und 20 Zuchtsterken verkauft. Mit entsprechender Nachzucht betrug der Viehbestand etwa 225 Stück. Auch Pferdezucht wurde betrieben. Von den eigenen 6-8 Trakehner Stuten wurde die Nachzucht als Remonten vorgestellt und jährlich 3-5 Remonten verkauft. Neben den Traktoren standen 20 Arbeitspferde für die Ackerwirtschaft zur Verfügung. 12 Deputantenfamilien, die teilweise schon Jahrzehnte im Betrieb ihren festen Arbeitsplatz und ihre Heimat hatten, haben durch ihre treue Pflichterfüllung viel dazu beigetragen, das Gut zu dem zu machen, was es zuletzt war. Stellvertretend für alle mögen die Kutscher Gawehns und Kämmerer Bernhard genannt sein, die dem Betrieb über 40 Jahre angehörten. Melkermeister Gehlhaar hat durch seine großen Fachkenntnisse und seinen Eifer den Aufbau der großen Viehherde mit einmaligem Erfolg gefördert. Nicht zuletzt soll auch des landwirtschaftlichen Beamten, Inspektor Herbert von Glinski, gedacht werden, der der Familie Hofer ein treuer Helfer war.

Matthias Hofer vermochte das Erbe seiner Eltern bis zur Vertreibung zu pflegen und zu bewahren. Seine Ehefrau Hildegard, geb. Dannacker, mußte mit drei kleinen Kindern den Weg der Flucht allein antreten, da ihr Mann bei der Wehrmacht war. In russische Gefangen-schaft geraten, mußte sie das kleinste Kind begraben und konnte erst nach einigen Jahren nach Westdeutschland kommen.

Quelle : Matthias Hofer und Christa Palfner : "Das Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein im Kreis Tilsit-Ragnit"; herausgegeben im Selbstverlag der Stadt Lütjenburg © 1971 (Text und Bilder)

letzte Statistik (Stand : 1.08.1944) - Einwohner Stand :17.05.1939)
  • Breitenstein ( Einw. : 1.263 Fläche : 882 ha )
    • alter Namen : Kraupischken
    • nach 1945 : Uljanovo
      • Friedrichswalde ( der Ort existiert nicht mehr )
      • Juckstein
      • Breitenstein, Gut

    Anmerkung:
    1) Breitenstein ist Pfarr- und Kirchort seit 1609
    2) Friedrichswalde existiert nicht mehr

    Kartenmaterial:
    Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
    • Karte des Deutschen Reiches 1:100 000 - Ausgabe Kreiskarten/Kreis Tilsit-Ragnit aus dem Jahre 1940 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
    • Karte des Deutschen Reiches - Topographische Karte 1:25 000 - Nr. 1198 (Breitenstein) -
      aus dem Jahre 1938 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

    Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de


    Kirchspieldörfer



    © Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
    verfaßt am 01.07.2003
    www.tilsit-ragnit.de
    letzte Änderung dieser Seite : Dienstag, 8. Februar 2011