Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein :
Wochenmarkt in Breitenstein

So gemütlich ging es zu in der guten alten Zeit. An jedem Donnerstag war Markt. Frohgemut spannten die Bauersleute ihre oft sehr schönen Pferde an und freuten sich schon während der Fahrt auf das "Schachern und Plachandern". Drei Anwohner am Marktplatz wollen wir uns als echte Heimatoriginale ins Gedächtnis rufen: Das große Gebäude mit der schönen Veranda ist Heisers Haus. Aus diesem sah beständig die alte Frau Heiser auf das Marktgewühl. Sie sah auch hinaus, als sie schon todkrank, und der Platz vom Lärm der Kirmes erfüllt war. Auf die Frage, ob sie der Trubel nicht störe, gab sie schlicht und einfach zur Antwort: "Ich sage mir, es ist ihr Brot."

Und dann der kleine Laden links unten. Hier holten sich die Marktleute von dem "alten Stein" ihre geräucherten Heringe und ihr Flaschenbier. Viele tranken die Flaschen auch gleich aus, verbotenerweise; denn der alte Stein hatte keine Konzession. Um ins Gasthaus zu gehen, waren viele zu "sparsam", vielleicht auch ein bißchen zu geizig. Der "alte Stein" war übrigens ein großer Weltverbesserer und Philosoph. Vor der Flucht sang er immer wagemutiger und immer begeisterter: "Brüder, zur Freiheit, zur Sonne". Er glaubte, das Licht käme aus dem Osten "ex Oriente lux". Nicht schnell genug konnte er nach der Besetzung aus dem Osten zurückkehren, aber nur, um zu .....verhungern. In der erstarrten Hand hielt er einen Brief an seine Tochter. Seine Hoffnungen hatten getrogen, gleichwohl ist mit ihm ein guter Mensch gestorben.

Noch ein drittes Original: Die alte Frau Czunczeleit! Ihr gehörte unser altes, liebes Posthaus. Sie sah man immer, wenn die Glocken läuteten, über den Markt zur Kirche eilen, ihr Platz in der Kirche war nie leer. Ihr Lieblingslied war: "In dich hab ich gehoffet, Herr!" Ja, so waren die Breitensteiner. Möchten sie so bleiben, auf Kind und Kindeskind!

Breitenstein als Marktort hieß einige Jahrhunderte "Kraupischken". Dieser Name wurde dem wohl immer recht wohlhabenden Handelsplatz von den Litauern als Scherzname gegeben. "Kraupischken" leitete sich ab von "Kraupas", deutsch: Krapfen, einem kleinen Fettgebäck. Mit dem Scherznamen sollte die Wohlhabenheit der Bewohner angedeutet werden. Von dieser Wohlhabenheit ein Bild aus der letzten Zeit:

Hotel „August Jonuscheit"

Von dem Inhaber der mancherlei Betriebe umfassenden Firma wurde geflüstert, er sei Millionär. Die mit ihm in der "Fünfhundertmorgenstube" saßen, waren auch nicht die Ärmsten. Sehr wohlhabende Betriebe waren auch die Mühlenwerke "Gebrüder Metschulat" und die Molkereigenossenschaft.

Autor : © Verfasser unbekannt
Quelle: "Memel-Jahrbuch" für das Jahr 2012 Seite 85 - Selbstverlag Manfred Malien 24211 Preetz

Breitenstein



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 15.11.2011
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letzte Änderung dieser Seite : Mittwoch, 16. November 2011