Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein :
Bergental - Schuppinnen

Im südöstlichen Zipfel des Kirchspiels Breitenstein, ½ km von der Straße Gumbinnen-Tilsit, lag das Dorf Bergental. Es grenzte Süden, Osten und Westen an den Kreis Schloßberg. Eine Kiesstraße führte durch das Dorf und ging weiter über Passleiden, Draugupönen nach Schloßberg. Zwei kleine Flüsse, Eymenis und Draugup, die sich in Bergental vereinigten und weiter nördlich in die Inster flössen, durchzogen das Land und bildeten eine gute, natürliche Vorflut. Außerdem führten sie stets frisches Wasser für das auf den Weiden grasende Vieh. Ihre teils bewaldeten, steil abfallenden Ufer und Schluchten boten manchem ein reizvolles Plätzchen zum Ausruhen. Die Beschaffenheit des Bodens reichte vom Lehmboden bis zum lehmigen Sand.

36 Bauern wohnten in Bergental:
Eichstedt, Adolf
Sokat, Albert  
Abrolat, Alfred
Bogdahn, Berta
Branduschlick,
Bronnert, Ewald
Gehrau, Marta
Bronnert, Fritz
Bruckert, Maria
Sudau, Paul
Dirsat, Ewald
Dirsat, Otto
Enseleit, Emil
Frank, Otto
Führer, Horst
Girrulies,August
Griegat, Otto

1,50 ha
22,50 ha
19,00 ha
o,5o ha
7,00 ha
3,25 ha
5,00 ha
5,00 ha
12,00 ha
3,83 ha
5,00 ha
11,00 ha
19,00 ha
12,50 ha
9,00 ha
7,25 ha
7,50 ha

Hirth, Otto
Jakeit, Anna
Kehler, Rudolf
Keymel, Marta
Kischkat, Otto
Knocks, Marta
Maurischat,Franz
Meschkat,Gustav
Schützler,Wilhelm
Hirth, Otto
Naujokat, Lina
Romeikat, Otto
Schuleit, Emil
Brandstäter,Fritz
Weiß, Hugo
Broszat, Kurt
Ruhnke, Edith
Ruhnke,Ewald
12,75ha
3,82ha
10,00 ha
8,17 ha
5,00 ha
15,20 ha
10,00 ha
4,50 ha
6,25 ha
3,75 ha
4,75 ha
10,50 ha
7,50 ha
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32,00 ha ) Gut
198,80 ha ) Gut

Bürgermeister des Dorfes war Emil Enseleit. Er hatte ein Fuhrunternehmen neben seiner Landwirtschaft und brachte die Milch des Dorfes und der auf der 8 km langen Strecke unterwegs gelegenen Orte zur Molkereigenossenschaft nach Breitenstein.

In früheren Jahren benutzte er ein Pferdefuhrwerk, später fuhr er mit einem Lastauto. Im ausgebeuteten Teil einer Kiesgrube fabrizierte Enseleit Zementrohre für Brunnen und Dränagen, sowie Hundehütten, Tröge u.a..

Als ein besonderes Original konnte man den Brunnenbauer Julius Maurlschat ansehen. Im weiten Umkreis hat er Brunnen gebaut, und überall trieb er seine Späße. Man erzählt sich von ihm, daß er sich ein Ochsenfell umgehängt hatte, mit großen Hörnern durch die Gegend zog und die Leute erschreckte. Dazu rief er: "Ich bin der Fürst der Hölle, ich komme, die Welt zu richten, drei Tage sollt Ihr bei mir bleiben, dann will ich Euch vernichten." Seit dieser Zeit trug er den Namen "Höllenfürst".


Im Dorf war eine Gastwirtschaft mit Kolonialwarengeschäft. Der letzte Besitzer war Paul Sudau. Bergental hatte eine Schule, die nach Vernichtung im ersten Weltkrieg neu aufgebaut war. Bekannt sind noch die Lehrer Pauluhn, Neumann, Pauluhn jun. und Alex. Mehrmals im Jahr hielt hier der Breitensteiner Pfarrer Gottesdienste in der Schule ab.

Etwas abseits vom Dorf, auf kleiner Anhöhe, lag das Gut, seit 1899 im Besitz von Ewald Ruhnke, der es durch mehrmaligen Landzukauf auf 930 Morgen vergrößert hatte. Ein beiderseits mit dicken Birken bestandener, ca. 300 m langer Weg führte vorbei an einem 16 Morgen großen Wäldchen aus Lärchen, Fichten und Weymouthskiefern und mit anschließendem Garten auf dem im Viereck engelegten Gutshof. Dahinter lagen die Wohnhäuser der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte, die teilweise schon auf dem Gut geboren waren. Dazu gehörte der Vorarbeiter August Bertram, der mit seiner ausgeprägten handwerklichen Veranlagung viel zum Gedeihen des Betriebes beigetragen hat. Die wirtschaftliche Grundlage des Hofes bildete eine Herdbuchherde des schwarz-weißen Tieflandrindes. Ruhnke betrieb Trakehner Pferdezucht und stellte Remonte der Ankaufskommission für das Heer vor. Die intensive Bewirtschaftung des Betriebes gab Gewähr für gute Getreideernten. Zum Gut gehörte auch eine Kiesgrube, aus der laufend Kies für Bauten und Straßen abgefahren wurde. Der nicht mehr genutzte Teil der Grube war an seinen Hängen mit Lärchen, Birken und Weymouthskiefem bepflanzt, 1921 wurde das Gut elektrifiziert.

Im ersten Weltkrieg mußte die Bevölkerung von Bergental das Dorf vor den anrückenden Russen verlassen. Die Flucht ging in die Gegend von Danzig, nach Tiegenhof oder weiter nach Schleswig-Holstein. Nach der Rückkehr fanden die Besitzer nur die leeren Höfe vor. Das ganze Inventar mußte im Laufe der Jahre wieder neu angeschafft und aufgezogen werden. Das einzige Pferd, das auf dem Gutshof stehengeblieben war, tauschte ein herumziehender Russe in einen Esel um, der noch einige Jahre als Spielgefährte der Kinder auf dem Hof blieb.

Im Oktober 1944 gingen von Bergental etwa 180 Menschen auf die Flucht ohne Wiederkehr. Nur vorübergehend kamen einige Familien von Pommern aus 1945 noch einmal nach Hause zurück und wohnten zuerst auf ihren noch stehengebliebenen Höfen.
Der Gutshof soll völlig abgebrannt sein. Später sind russische Familien dort angesiedelt, und die Deutschen wurden in den umliegenden Sowjosen und Kolchosen zur Arbeit eingesetzt. Im Jahre 1948 haben die Überlebenden auch Ostpreußen verlassen.

1564/65
Dieser Ort ist schon 1564/65 vorhanden und wird auch im Kirchspielverzeichnis bzw. Abrißbüchern von 1590 genannt.
Da heißt es: Schuppeney, zur Kirche Kraupischken.
Schuppeney, mit anderen Orten dieses Amtes 1595 vermessen, hat 12 Hufen 6 Morgen.

1785
Königl. Bauerndorf, Kirchspiel Kraupischken, 18 Feuerstellen.


1839
Königl. Bauerndorf, Sprache deutsch-litauisch, 25 Feuerstellen, 223 evangelische Christen.

1863
Schuppinnen, mit Gut Schuppinnen, erbfreies und schatull.-freies Dorf.
Grundfläche: 1851 Morgen 18 Ruthen
Viehbestand: 49 Pferde, 86 Rinder, 265 Schafe, 76 Schweine.
Gebäude: 73 und 332 Bewohner.

Grundsteuer:
Klassensteuer :
Gewerbesteuer :
Kreisabgaben:
Gemeindeabgaben:
78 Thaler 1 Silbergroschen
97 Thaler 15 Silbergroschen
2 Thaler 20 Silbergroschen
46 Thaler 16 Silbergroschen
35 Thaler 5 Sildergroschen 8 Pfennige
Schulabgaben:

4 Scheffel 13 Hetzen Roggen
2 Scheffel 61/2 Hetzen Gerste
11 Centner 72 Pfund Heu
52 Bund 12 Pfund Stroh
8 Thaler 6 Silbergroschen 4 Pfennige
für die Schule Schupinnen,
und 1 Scheffel 8 Metzen Roggen
12 Metzen Gerste
3 Centner 99 Pfund Heu
14 Bund 3 Pfund Stroh
4 Thaler 16 Silbergroschen 9 Pfennige
für die Schule Sassupönen.

1864
Zahl der Einwohner vom 3.12.1864 = 383.
Ackerland 1516 Morgen (hauptsächlich Kl. 5+6), Wiesen 66,85 Morgen, Weiden 140,49 Morgen, Gesamtfläche 1807,65 Morgen.
30 Wohngebäude, 1 gewerbliches Gebäude, 44 steuerfreie Gebäude, 36 Besitzer.

1871
Colonie: 9 Wohngebäude, 14 Haushaltungen. 1871 = 50 Einwohner, 1867 = 68. 50 waren preußisch und evangelisch.
Ortschaft: 25 Wohngebäude, 61 Haushaltungen. 1871 = 214 Personen, 1867 = 195. 214 Personen waren Preußen, 212 evangelisch, 1 katholisch, 1 gehörte einer Sekte an: 81 Analphabeten.

1905
Gesamtflächeninhalt 403,4 ha, 35 bewohnte Häuser, 50 Haushaltungen, 229 Einwohner, 223 sprachen deutsch, 5 litauisch,. 1 deutsch und eine andere Sprache, alle waren evangelisch,

1925
Bergental mit Schönwiese
Gesamtflächeninhalt 530 ha, 43 Wohnhäuser, 57 Haushaltungen. Bewohner 253,
242 evangelisch

1943
Bergental. 61 Haushaltungen, 213 Personen, 155 arbeiten in Land- und Porstwirtschaft, 23 in Industrie und Handwerk, 8 in Handel und Verkehr. 67 Selbständige, 49 mithelfende Familienangehörige, 3 Beamte und Angestellte,
70 Arbeiter.
o,5-5 ha=11; 5 -10 ha=13; 10-20 ha=7; 20 -100 ha=3; über 100=1.

Quelle : Matthias Hofer und Christa Palfner : "Das Kirchspiel Kraupischken - Breitenstein im Kreis Tilsit-Ragnit"; herausgegeben im Selbstverlag der Stadt Lütjenburg © 1971

letze Statistik (Stand : 1.08.1944) - Einwohner Stand :17.05.1939)
  • Bergental ( Einw. : 213 Fläche : 530 ha)

    • Klein Bergental
    • alter Namen :Schuppinnen

    • Schönwiese


Anmerkung:
1) Ort und Wohnplätze zugehörig zum ev. Ksp. Breitenstein
2) Die Dörfer existieren nicht mehr

Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
  • Karte des Deutschen Reiches 1:100 000 - Ausgabe Kreiskarten/Kreis Tilsit-Ragnit aus dem Jahre 1940 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
  • Karte des Deutschen Reiches - Topographische Karte 1:25 000 - Nr. 1299 (Mallwen) -
    aus dem Jahre 1938 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de



Kirchspieldörfer



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 01.07.2003
www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Dienstag, 8. Februar 2011